Station: [07] Spezialformen im Holzblasinstrumentenbau

  • Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen

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Zusätzlich zu den entwicklungsgeschichtlich sich verändernden Bauformen und Systemen hält auch die Holzblasinstrumentenabteilung unseres Museums einige Spezialformen und Erfindungen bereit. Neben dem ausgestellten Sarussophon (Inr. 1106), einem ca. 1856 in Frankreich erfundenen Klappenblasinstrument mit Doppelrohrblatt, sind vor allem drei im Vogtland entwickelte und gebaute Sonderformen der Klarinette interessant.

Am 27.09.1893 wurde unter der Nr. 83005 das erste Patent auf ein vogtländisches Blasinstrument erteilt. Es handelt sich hierbei um ein “zweiröhrig verkürztes Holzblasinstrument”, das wegen der Eigenschaft des Oktavierens auch als Oktavin bezeichnet wurde und in unserer Sammlung unter Inr. 0964 ausgestellt ist. Dieses Instrument besitzt zwar ein Klarinettenmundstück, in seiner Bauweise verbinden sich aber auch Elemente von Oboe, Fagott und Saxophon, sodass seine Klangeigenschaften zwischen Klarinette und Saxophon liegen. Das Oktavin, zuweilen auch als “Deutsches Saxophon” bezeichnet, wurde bereits 1881 vom Adorfer Instrumentenbauer Julius Jehring (1821-1905) erfunden. Die geschäftsmäßige Verwertung und Patentierung erfolgte aber erst 1893 durch die erste Markneukirchner Holzblasinstrumentenfabrik, die Firma Oskar Adler & Co.

Vitrine 34

Während das Oktavin einige Jahrzehnte in kleiner Serie gebaut wurde, liegen zwei weitere vogtländische Patentklarinetten nur als Prototypen vor. Beide entstanden sie Anfang der 1930er Jahre und sind somit Zeugnisse einer ausgesprochen schöpferischen Phase des vogtländischen Holzblasinstrumentenbaus. Die Steinklarinette (Inr. 4458) geht auf eine Erfindung von Friedrich Stein aus Saarbrücken zurück, bei der ein verändertes Griffsystem auf zwei Metallröhren angebracht wurde. Die Patente auf diese erhoffte Verbesserung erteilte man 1928 und 1932 (Nr. 510975 u. 580478), die Entwicklung und Herstellung der Prototypen erfolgte bei der Markneukirchner Firma Gebrüder Mönnig. Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts diskutierte Kompositionsweise mit sogenannten “Mikrointervallen” regte Fritz Schüller (1883-1977) an, eine Vierteltondoppelklarinette (Inr. 1410) zu konstruieren, worauf 1932 das Patent Nr. 583817 ausgestellt wurde. Zwischen zwei nebeneinander liegenden Röhren, die sich um einen Viertelton unterscheiden, kann gewechselt werden, ohne auf die übliche Griffweise zu verzichten, so dass eine Vierteltonleiter spielbar wird.

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Der Einsatz synthetischer Materialien wurde vor allem ab Ende der 1920er Jahren vorangetrieben. Neben dem Reiz des Exotischen waren seinerzeit zunehmend wirtschaftliche Erfordernisse für die Suche nach Holzersatzwerkstoffen verantwortlich. Eindrucksvolles Beispiel dieser “Werkstoffrevolution” ist ein fast vollständiger Satz Plexiglasinstrumente von der Piccoloflöte bis zum Fagott (L 0223-227), gebaut in der Markneukirchner Firma Gebrüder Mönnig. Hier wurde 1936 Plexiglas erstmals im Holzblasinstrumentenbau eingesetzt. Mit den in unserer Sammlung ausgestellten Instrumenten errang man 1937 den Grand Prix der Weltausstellung in Paris.