Station: [05] Deiler Eisenhammer

  • Deiler Eisenhammer
  • Die letzten Schmiede im Deiler Eisenhammer (Meister Hagebusch mit Geselle Jüngst und Lehrling Jüngst), 1890
  • Wegbeschreibung

Sie befinden sich jetzt auf dem Gelände des Deiler Eisenhammers, dem letzten Hammer seiner Art im Ruhrgebiet, der noch an seinem originalen Standort steht. Die heutigen Gebäude stammen aus dem 19. Jahrhundert. Im Hammergebäude rechts am Bach befindet sich noch das vollständige maschinelle Inventar. Es besteht aus zwei Schwanzhämmern, einer Schmiede-Esse mit wasserbetriebenem Blasebalg, zwei Wasserrädern und einer Stahlschere. Diese Schere ist in ganz Deutschland eine einmalige technische Rarität. Die Schere wurde mittels eines Exzenters auf der Hammerwelle bewegt und konnte zentimeterstarke Bandeisen im Kaltzustand schneiden.

Gegenüber dem Hammergebäude liegt das ehemalige Meisterhaus, das heute vermietet ist. Links davon befinden sich die sanierungsbedürftigen ehemaligen Arbeiterhäuser. Die „Wasserkunst“ des Eisenhammers bestand aus Wehr, Obergraben und Untergraben. Sie ist nur noch in Relikten vorhanden.

Vermutlich entwickelte sich die Anlage aus einer bäuerlichen Schmiede des Deilmannschen Bauernhofs. Zu einem eigenständigen Gewerbebetrieb mit selbständigen Schmiedemeistern wurde der Hammer erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Die Produkte des Hammers waren neben Roh- und Halbfertigprodukten auch bäuerliches Kleingerät. Außerdem wurden Beschläge und Achsen für hölzerne Kohlenwagen, sowie Werkzeuge für Zechen und Steinbrüche hergestellt.

Der stetige Aufstieg der Großindustrie im 19. Jahrhundert bedrängte kleinere Betriebe wie den Deiler Eisenhammer. 1917 brach die faulig gewordene Hammerwelle. Sie zu ersetzen, lohnte sich nicht mehr und der Betrieb wurde stillgelegt. Im Jahr 1936/37 wurde die zunehmend verfallende Anlage von den Betreibern des benachbarten Kraftwerks wieder funktionsfähig gemacht. In diesem dann „technischen Kulturdenkmal“ wurde der Betrieb eines Hammers im Rahmen von Schmiedevorführungen der Öffentlichkeit veranschaulicht. In den 1960er Jahren erwarb die Stadt Essen den Eisenhammer. Heute ist das Denkmal an seinem Standort sehr gefährdet, da die Landschaft durch eine Reihe von Eingriffen stark verändert wurde. So wurde zum Beispiel der ehemalige unterirdische Unterwassergraben abgemauert und so das historische Entwässerungssystem des Hammers zerstört. Wiederkehrende Hochwasserstände des Deilbachs gefährden mit ihren nachfolgenden langen Standwasserzeiten immer wieder den baulichen Erhalt des Denkmals. Nur 2006 hatte ein solches Hochwasser auch einmal positive Folgen: Es legte vor dem Meisterhaus eine markante Pflasterung frei. Ein Eisenbahnexperte hat sie zweifelsfrei als Trassenkörperfragment der Deilthaler Eisenbahn identifiziert. Ihr Schienenkörper bestand aus einer Pflasterung, auf der ein hölzerner Unterbau ruhte. Darauf waren schmale Eisenbänder befestigt, die als Schienen für Kohlewagen dienten.