Station: [27] Industriezweige in Radeberg


Gibt’s nicht, gab’s nicht! Das Spektrum der in Radeberg ansässigen Branchen und Betriebe war schier unüberblickbar. Von Möbeln über Pailletten, Käse, Glaslampen bis hin zu künstlichen Zähnen: im Laufe der Zeit wurde in Radeberg fast alles produziert – oft von kleinen, familiengeführten Firmen, dem vielbeschworenen Mittelstand.

Um einige dieser Betriebe kennenzulernen, klappen Sie bitte die orangenen Blenden zurück – auf deren Rückseiten finden Sie jeweils eine kurze Firmengeschichte und in den Vitrinen die dazugehörigen Fabrikate.

Da ist zum Beispiel das Unternehmen von Carl Barth, das Nähmaschinenschiffchen herstellte. Als Barth, ein Angestellter der Nähmaschinenfabrik Singer, im Lotto gewann, machte er sich selbständig und gründete 1869 seinen Zuliefererbetrieb. Heute, 150 Jahre und einige Neustrukturierungen später, existiert die Firma noch immer. Sie hat sich unter dem Namen CB-ELMEC GmbH nun auf Oberflächenveredelung und Pulverbeschichtung spezialisiert.

Gleich daneben präsentieren sich die Emaillewaren der späteren Küchenmöbelfabrik Eschebach: Kannen, Töpfe, Siebe... und eine kleine weiße Badewanne, die eine ganz besondere Geschichte erzählt: Im Dezember 1943 waren viele männliche Mitarbeiter zum Kriegsdienst eingezogen. Das Werk lud deren Familien zu einer Weihnachtsfeier ein und beschenkte die Kinder: die Mädchen bekamen einen Küchenherd für die Puppenstube, die Jungen eine Badewanne. Einer dieser Jungen verwahrte seine Badewanne sein Leben lang auf und übergab sie in hohem Alter dem Museum.

In den Vitrinen auf der nächsten Seite, rechts des Durchgangs, erfahren Sie, wie der Camembert nach Deutschland kam, was mit den ersten Kühlwaggons aus Radeberg transportiert wurde oder wer bis 1945 die Karossen für Edellimousinen herstellte.

Und wussten Sie auch, dass sämtliche Dritten Zähne der DDR aus Radeberg kamen? Ganz rechts der Beweis: Kurz nach dem Ersten Weltkrieg siedelte sich die „Hutschenreuther Zahnfabrik Saxonia“ in Radeberg an. Der Bedarf an Prothesen aller Art war riesig und in Radeberg konnte man auf die entsprechenden Fachkräfte zurückgreifen: auf Graveure aus der Glasindustrie, die millimetergenaue Negativformen herstellten, in denen dann die Porzellanzähne gegossen wurden.

Alle Abbildungen: © Museum Schloss Klippenstein