Nach dem Thesenanschlag Martin Luthers 1517 drangen reformatorische Ideen schnell nach Braunschweig vor. Vor allem Mönche, Prediger, Händler und Handwerker sympathisierten früh mit der neuen Lehre und forderten vehement kirchliche Reformen. Die katholischen Geistlichen, Orden und Stifte wiederum mühten sich, ihre überkommenen Privilegien zu verteidigen. Im Frühjahr 1528 befand sich der Rat der Stadt in einer extrem schwierigen Lage: Einerseits forderte die Bevölkerung die Einführung der lutherischen Lehre, andererseits untersagte das kaiserliche Wormser Edikt jede tiefgreifende Änderung des religiösen Lebens. Der Rat musste also behutsam vorgehen, um keinen militärischen Konflikt mit dem Herzog zu riskieren. Die Berufung des charismatischen Wittenberger Stadtpfarrers Johannes Bugenhagen nach Braunschweig löste dieses Problem. Eine neue Kirchenordnung wurde in Auftrag gegeben. Das Herzogtum blieb allerdings bis zum Tod des Landesherrn Heinrich des Jüngeren katholisch. In knapp einem halben Jahr entwarf Bugenhagen eine Kirchenregelung in Niederdeutsch, auf die sich alle Ratsmitglieder einigen konnten. Durch seine täglichen Predigten vermittelte die Reformideen auch „einfachen“ Menschen. Die neue Kirchenordnung betraf Aufgaben und Einkünfte der Prediger, den Ablauf der Gottesdienste, der Taufen und Eheschließungen, aber auch die Armenfürsorge und das Schulwesen. Sie umfasste ebenso Regelungen zur Dienstaufsicht und Ausbildung der Priester. Nach dem Braunschweiger Vorbild entwarf Bugenhagen Kirchenordnungen für Hamburg, Lübeck, Hildesheim und das Königreich Dänemark. Das waren die nächsten Stationen im Leben von Bugenhagen, auch „Dr. Pomeranus“ oder „Reformator des Nordens“ genannt.Exponat des Monats ist der Balkon des Altstadtrathauses. Ein Vortrag von Eva Grimpen in der Kleinen Dornse des AltstadtrathausesDer Eintritt ist freiAbb..: Carl Friedrich Mayer, Bugenhagen proklamiert die Reformation 1528 vom Altstadtrathaus zu Braunschweig, Foto Städtisches Museum BS
22. Nov 2026 - 15:00
Altstadtmarkt 7
Braunschweig
38100
Deutschland

Aktueller Termin von "Städtisches Museum Braunschweig - Altstadtrathaus"

Exponat des Monats November Bugenhagens Kirchenordnung von 1528 für die Stadt Braunschweig: Ein Versuch, die Ideen der Reformation in alltagstaugliche Norm (Form) zu bringen.

22. Nov 2026 - 15:00 – 22. Nov 2026 - 16:00
Städtisches Museum Braunschweig - Altstadtrathaus

Nach dem Thesenanschlag Martin Luthers 1517 drangen reformatorische Ideen schnell nach Braunschweig vor. Vor allem Mönche, Prediger, Händler und Handwerker sympathisierten früh mit der neuen Lehre und forderten vehement kirchliche Reformen. Die katholischen Geistlichen, Orden und Stifte wiederum mühten sich, ihre überkommenen Privilegien zu verteidigen. Im Frühjahr 1528 befand sich der Rat der Stadt in einer extrem schwierigen Lage: Einerseits forderte die Bevölkerung die Einführung der lutherischen Lehre, andererseits untersagte das kaiserliche Wormser Edikt jede tiefgreifende Änderung des religiösen Lebens. Der Rat musste also behutsam vorgehen, um keinen 
militärischen Konflikt mit dem Herzog zu riskieren. Die Berufung des charismatischen Wittenberger Stadtpfarrers Johannes Bugenhagen nach Braunschweig löste dieses Problem. Eine neue Kirchenordnung wurde in Auftrag gegeben. Das Herzogtum blieb allerdings bis zum Tod des Landesherrn Heinrich des Jüngeren katholisch. In knapp einem halben Jahr entwarf Bugenhagen eine Kirchenregelung in Niederdeutsch, auf die sich alle Ratsmitglieder einigen konnten. Durch seine 
täglichen Predigten vermittelte die Reformideen auch „einfachen“ Menschen. 
Die neue Kirchenordnung betraf Aufgaben und Einkünfte der Prediger, den Ablauf der Gottesdienste, der Taufen und Eheschließungen, aber auch die Armenfürsorge und das Schulwesen. Sie umfasste ebenso Regelungen zur Dienstaufsicht und Ausbildung der Priester. Nach dem Braunschweiger Vorbild entwarf Bugenhagen Kirchenordnungen für Hamburg, Lübeck, Hildesheim und das Königreich Dänemark. Das waren die nächsten Stationen im Leben von Bugenhagen, auch „Dr. Pomeranus“ oder „Reformator des Nordens“ genannt.
Exponat des Monats ist der Balkon des Altstadtrathauses.

 

Ein Vortrag von Eva Grimpen in der Kleinen Dornse des Altstadtrathauses

Der Eintritt ist frei

Abb..: Carl Friedrich Mayer, Bugenhagen proklamiert die Reformation 1528 vom Altstadtrathaus zu Braunschweig, Foto Städtisches Museum BS

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