Im Residenzschloss Dresden beherbergt das Grüne Gewölbe die historische Schatzkammer der Wettiner und zeigt kostbare Kleinode von der Renaissance bis zum Klassizismus. Der heute gebräuchliche Name bezieht sich auf die einst malachitgrün bemalten Säulenbasen und Kapitelle der ursprünglichen Gewölberäume; Besucher konnten Teile der Sammlung bereits seit 1724 besichtigen. Die Bestände werden als Historisches Grünes Gewölbe und Neues Grünes Gewölbe im Westflügel des Residenzschlosses präsentiert und gehören zu den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.
Die Anlage geht auf Baumaßnahmen nach 1547 zurück: Im westlichen Schlossflügel entstanden unter anderem mit grün gefassten Kapitellen vier gewölbte Räume, die ab dem späten 16. Jahrhundert als „Geheime Verwahrung“ dienten. Die Wahl steinerner Gewölbe diente dem Schutz vor Feuer und trug zur Erhaltung der Schätze bei. Im 18. Jahrhundert wandelte der sächsische Hof die Kammer zu einer repräsentativen Wunderkammer aus; in den 1720er Jahren wurden die Prunkräume erweitert und für die Schau nach barockem Vorbild ausgestaltet.
Das Erscheinungsbild blieb bis ins 20. Jahrhundert weitgehend erhalten. Drei der neun historischen Räume wurden bei der Bombardierung Dresdens 1945 stark beschädigt; die Bestände waren zuvor ausgelagert, nach Kriegsende kurzzeitig in der Sowjetunion und 1958 an die DDR zurückgegeben worden. Zwischen 1959 und Anfang 2004 befand sich die Sammlung im Albertinum. Das Neue Grüne Gewölbe wurde 2004 in zehn Räumen im ersten Stock des Westflügels eröffnet, 2006 folgte die Wiedereröffnung des rekonstruierten Historischen Grünen Gewölbes im Erdgeschoss, dessen Ausstattung sich an den Inventaren von 1733 orientiert; mehr als 3000 Objekte kehrten an ihren historischen Standort zurück. Die Sanierungskosten beliefen sich insgesamt auf rund 45 Millionen Euro; die Restaurierung der historischen Wandverkleidung kostete etwa 13 Millionen Euro.
Beim Einbruch in den historischen Teil am 25. November 2019 wurden mehrere Juwelen gestohlen, darunter der weiße Diamant „Sächsischer Weißer“ (48 Karat). Gegen mehrere Beschuldigte wurde 2021 Anklage erhoben; Ende 2022 konnten 31 der entwendeten Stücke wiedergefunden werden. Fehlend bleiben unter anderem eine Epaulette mit dem „Sächsischen Weißen“ und die „Große Brustschleife der Königin Amalie Auguste“.
Im Historischen Grünen Gewölbe sind die spätbarocken Ausstattungen in den originalen Gewölberäumen erlebbar; die rund 3000 Exponate stehen wie einst auf Konsolen und Prunktischen. Das Vorgewölbe zeigt mittelalterliche und frührenaissanceliche Kostbarkeiten wie die Trinkschale Iwans des Schrecklichen, den Mundbecher und Siegelring Martin Luthers sowie eine Taschenausgabe der Bibel, außerdem trennt eine Klima- und Staubschleuse die historischen Räume vom Vorgewölbe. Zu den bedeutenden Sälen gehören das Bernstein-Kabinett, das Pretiosensaal-Ensemble mit dem Eck-Kabinett, das Juwelenzimmer sowie Räume mit Elfenbein-, Silber- und Bronzearbeiten.
Zu den herausragenden Einzelstücken zählen der „Mohr mit der Smaragdstufe“ von Johann Melchior Dinglinger (ca. 1724, 63,8 cm, lackiertes Birnbaumholz reich besetzt mit Edelsteinen), der wandgebundene „Obeliscus Augustalis“ (228 cm, mit rund 240 Gemmen) sowie umfangreiche Bernsteinarbeiten und die historischen Juwelen-Garnituren, die lange als größter Juwelenschatz Europas galten; darunter ein einmaliger Saphir von 648 Karat, ein Geschenk des russischen Zaren.
Das Neue Grüne Gewölbe präsentiert in schlichtem, modernem Rahmen etwa 1.100 Objekte in rund 200 Vitrinen; die Ausstellung ist chronologisch gegliedert und farblich codiert (Kunstkammer, Renaissance, Barock). Hier sind unter anderem Mikroschnitzereien wie der „Kirschkern mit den 185 Angesichtern“ (vor 1589) sowie Hauptwerke Johann Melchior Dinglingers zu sehen: das prunkvolle „Goldene Kaffeezeug“ (1697–1701) mit etwa 5.600 Diamanten, der aufwändige Tischaufsatz „Hofstaat zu Delhi“ (1701–1708) und das reich verzierte „Bad der Diana“. Der „Dresdner Grüne Diamant“ (41 Karat) mit seiner grünlichen Färbung gehört ebenfalls zur Sammlung und wurde bereits international präsentiert.