Mitten in Berlin-Mitte, in der Linienstraße 154a, bietet das Museum der Stille einen bewusst zurückgezogenen Ort für Kontemplation und Ruhe. Es liegt im Erdgeschoss eines grauen Gründerzeithauses; an der Fassade erinnert eine Gedenktafel an die Widerstandskämpferin Margarete Kaufmann. Die Innenräume sind reduziert gestaltet: zur Straße hin verhängte Fenster, tiefrote Wände und ein grau-schwarzer Teppichboden sorgen für gedämpfte Akustik, Sitzgelegenheiten vor den Bildern laden zum Verweilen ein.
Das Museum wurde 1994 vom russischen Maler Nikolai Georgijewitsch Makarow initiiert, um in der Großstadt einen Ruhepunkt zu schaffen. Ausgangspunkt der Sammlung bilden zwei großformatige Gemälde Makarows in Grisaille, die Landschaften und Wolken in durchscheinend-nebliger Optik zeigen. Nach einer umfangreichen Sanierung, die 1999 begann und 2001 abgeschlossen wurde, blieb das Haus von 2009 bis 2014 wegen Lärmbeschwerden aus demselben Gebäude geschlossen; 2014 erfolgte zur zwanzigjährigen Jubiläumsfeier die Wiedereröffnung.
Im Rahmen dieser Neuausrichtung wurden Architektinnen und Architekten eingeladen, Entwürfe für sogenannte Gebäude der Stille zu entwickeln. Heute ergänzt eine Reihe von sieben utopistischen Architekturmodellen die Malerei; sie stammen von Stephan Braunfels, Max Dudler, Staab Architekten, Franco Stella, Gewers & Pudewill, Michael Marshall und Sergei Tchoban. Das Museum versteht sich als nicht konfessionell gebundener Raum geistiger und körperlicher Entspannung und zielt darauf ab, Stille sinnlich erfahrbar zu machen; ein Förderer beschrieb es als „säkularisierten Andachtsraum“.
Träger sind die gemeinnützige Sergej-Mawrizki-Stiftung und der 2014 gegründete Verein Freunde des Stillen Museums e. V. Perspektivisch sind Kooperationen mit Museen und öffentlichen Einrichtungen im In- und Ausland sowie die temporäre Errichtung einzelner Modelle in Originalgröße an ihren jeweiligen Standorten vorgesehen.