Im historischen Kontext des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes vermittelt das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände (Dokuzentrum) in Nürnberg die lokalen und überregionalen Dimensionen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Das Museum ist Teil der Museen der Stadt Nürnberg und nimmt einen Teil des Nordflügels der von den Nationalsozialisten geplanten, aber unvollendeten Kongresshalle ein.
Die Einrichtung wurde 1994 beschlossen. In einem internationalen Wettbewerb von 1998 setzte sich ein Entwurf durch, der den nördlichen Kopfbau diagonal mit einem begehbaren Pfahl aus Glas und Stahl durchdringen sollte. Die Eröffnung fand am 4. November 2001 statt.
Lange Zeit war die Dauerausstellung Faszination und Gewalt der zentrale Standort für die Auseinandersetzung mit Ursachen, Zusammenhängen und Folgen des Nationalsozialismus; sie lief in verschiedenen Formen von 1985 bis 2020 und war bis 2001 im Goldenen Saal der Zeppelintribüne untergebracht. Seit Beginn der umfassenden Neugestaltung 2021 zeigt das Haus eine Interimsausstellung mit dem Titel Nürnberg – Ort der Reichsparteitage. Inszenierung, Erlebnis und Gewalt, die erstmals in deutscher und englischer Sprache die lokale Entwicklung des Areals von 1918 bis 2020 darstellt. Eine großflächige Medieninstallation gliedert die Darstellung in vier Zeiträume; zahlreiche Objekte, private Aufnahmen und Biografien eröffnen neue Perspektiven. Der Eingang wurde Mitte Februar 2025 wieder an seinen ursprünglichen Ort verlegt, das renovierte Foyer wurde öffentlich zugänglich gemacht und kurz darauf offiziell eingeweiht.
Ergänzend zum Ausstellungsbetrieb besteht seit Mai 2006 ein zweisprachiges Informationssystem mit 23 Stelen im historischen Ensemble, das individuelle Rundgänge erlaubt; darüber hinaus bieten lokale Initiativen Führungen über das ehemalige Reichsparteitagsgelände an. Das Dokuzentrum ist seit 2020 außerdem mit zwei Ausstellungen auf Google Arts & Culture vertreten.
Das angegliederte Studienforum liegt in einem modernen gläsernen Aufbau auf dem Dach des Kopfbaus. Unter Federführung der Museen der Stadt Nürnberg arbeiten sieben lokale Bildungseinrichtungen zusammen und entwickeln Programme für Schulklassen, Jugend- und Erwachsenengruppen – von 90‑minütigen Projekten über Rundgänge bis zu Studientagen. Inhaltlich reicht das Angebot von Themen zur Geschichte des Geländes und der Reichsparteitage über Lagergeschichte im Krieg bis zu aktuellen Fragestellungen wie Rassismus und Rechtsextremismus; während der Umbauphase sind die Angebote auf die Interimsausstellung abgestimmt. Partner sind Geschichte Für Alle e. V. – Institut für Regionalgeschichte, Jugendakademie im Caritas‑Pirckheimer‑Haus, das Jugendzentrum für kulturelle und politische Bildung der Stadt Nürnberg, der Kreisjugendring Nürnberg‑Stadt, das Kunst‑ und Kulturpädagogische Zentrum der Museen in Nürnberg, das Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg sowie das Nürnberger Menschenrechtszentrum e. V.
Ein Kuratorium begleitet die Arbeit des Hauses; es setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Justiz, Kirche und zivilgesellschaftlichen Institutionen zusammen.
In der Stadt bestehen darüber hinaus weitere Gedenkorte und Formen des Erinnerns: Es fehlt bislang ein zentraler, würdiger Erinnerungsort für die mehr als 1.500 in Nürnberg verfolgten jüdischen Einwohner sowie für die Deportationszüge vom ehemaligen Bahnhof Nürnberg‑Langwasser/Bf N‑Märzfeld. Die Stolpersteine markieren vielerorts die letzten Wohnadressen der Verfolgten. Das allgemeine Mahnmal auf dem Nürnberger Südfriedhof erinnert an Kriegsopfer, Kriegsverbrechen, die Shoah und auch an die sowjetischen Kriegsgefangenen. Der Platz der Opfer des Faschismus nahe der Universität wurde 2021 umgestaltet (erweiterte Bodenfläche, Steinbank); hinter dem Gedenkstein sollen künftig weiße Rosen an die gleichnamige Widerstandsgruppe erinnern. Das Zwangsarbeiter‑Mahnmal „Transit“ befindet sich am Verkehrszentrum Plärrer.