Am Marc-Aurel-Ufer in Regensburg bewahrt das Donau-Schiffahrts-Museum Regensburg Zeugnisse der Donauschifffahrt und veranschaulicht Technik sowie Arbeitsalltag der Binnenschiffer. Als Ausstellungsraum dienen zwei fest verankerte Schlepper: der Raddampfer Ruthof / Érsekcsanád und der dieselgetriebene Schlepper Freudenau.
Der Verein Arbeitskreis Schiffahrts-Museum Regensburg e. V. entstand im Januar 1979 aus der Initiative, den 1923 in Regensburg gebauten Raddampfer Ruthof vor der Verschrottung zu bewahren. Noch im gleichen Jahr wurde das Schiff von einer ungarischen Reederei übernommen, konserviert und 1980 nach Regensburg überführt. Das Museum eröffnete 1983; der Innenausbau wurde 1984 fertiggestellt. 1987 kam die Betreuung des ehemaligen Schiffsdurchzugs an der Steinernen Brücke hinzu. 2004 verlegte das Museum seinen Liegeplatz in die Altstadt; seitdem liegen Ruthof / Érsekcsanád und Freudenau am südlichen Ufer zwischen Eisener und Steinener Brücke.
Die Ruthof entstand 1922/23 auf einer Regensburger Werft als Teil des Wiederaufbaus nach dem Ersten Weltkrieg. Sie besaß eine schräge Zweizylinder-Verbunddampfmaschine mit Einspritzkondensation; die Schaufelräder mit je sieben Blättern wurden über eine Exzentersteuerung so gelenkt, dass sie senkrecht ins Wasser eintauchten, und die Schornsteine ließen sich für niedrige Brücken einklappen. Nach Umstellungen der Feuerung zwischen Kohle und Öl sank das Schiff 1944 auf eine Mine; fünf Besatzungsmitglieder starben. Das Wrack wurde 1956 geborgen und wiederhergerichtet, 1958 erneut in Dienst gestellt und später ausgemustert. 1979 brachte der Verein das Schiff ins Museum und ließ es instand setzen; 1992 erfolgte eine weitere Überholung in Regensburg. Im Bugraum erklären Tafeln und Modelle die Entwicklung der Donauschifffahrt, während Ölbunker, Kessel-, Maschinen- und Mannschaftsräume sowie Brücke und Decksausrüstung Einblicke in den Schiffsbetrieb und die Lebensbedingungen an Bord gewähren.
Die Freudenau wurde 1941 gebaut und war von Anfang an dieselgetrieben; stärkere Motoren ersetzten die Originalanlage in den 1960er-Jahren. Nach Außerdienststellung 1993 kam das Schiff 1995 in den Museumsbestand. Es zeigt sich weitgehend im Originalzustand und ist noch fahrtüchtig; gelegentlich wird es für Rundfahrten eingesetzt.
Der historische Schiffsdurchzug an der Steinernen Brücke veranschaulicht eine technische Lösung zur Überwindung starker Strömung und Aufstau. Die elektrisch betriebene Seilwinde aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts arbeitete mit einem 550-Volt-Gleichstrommotor, gespeist aus dem Stromnetz der städtischen Straßenbahn; der Durchzug wurde Mitte der 1960er Jahre stillgelegt und 2012 wieder eröffnet. Weitere Exponate entlang der Donau zwischen Eisener und Nibelungenbrücke ergänzen das Angebot: am südlichen Ufer die Helga, der Dampfkessel des Elbe-Dampfers Sachsenwald (ex Ida-Erna, 1914), Reste eines Betonschiffs und ein handbetriebener Hafenkran; am nördlichen Ufer erinnern ein beschädigter Propeller und ein Anker an den früheren Liegeplatz.