In Rostock-Wiethagen vermittelt der Forst- und Köhlerhof Wiethagen als Freilandmuseum die traditionelle Technik und Alltagsgeschichte der Herstellung von Holzkohle, Holzteer und Terpentin durch Köhler. Das Ensemble liegt am Rand der Rostocker Heide und zeigt sowohl die Arbeitsplätze als auch die dazugehörigen Produktionsanlagen.
Die Anlage geht auf Genehmigungen aus dem Jahr 1837 zurück; 1839 nahm ein großer Teerofen den Betrieb auf. In den 1850er Jahren kamen Kondensations‑ und Destillationsanlagen sowie ein Vorratshaus hinzu. 1905 wurde eine Destillationsanlage zu einem kleineren Teerofen umgebaut; nach einer Produktionsunterbrechung während des Ersten Weltkriegs wurde 1917 ein neues Teerschwelerhaus errichtet. Bis 1979 lieferte die Anlage Holzteer vor allem an Schifffahrt, Fischerei und Landwirtschaft. Nach einer Phase der Unsicherheit erhielt das Köhlerhaus mit den beiden erhaltenen Teeröfen den Status eines technischen Denkmals; in den Folgejahren wurde das Gelände restauriert und baulich saniert, 2001–2002 mit moderner Technik, Heizung und neuer Beleuchtung überarbeitet.
Die Dauerausstellung im wiederaufgebauten Viehstall thematisiert im Erdgeschoss Leben und Arbeit der Köhler, im Obergeschoss die Einbettung der Anlage in die Rostocker Heide. Erdgeschossinhalte sind farblich gegliederte Bereiche zu Forstwirtschaft, Geschichte der Teerschwelerei und zu Einsatz und Bedeutung von Holzkohle und Holzteer. Gezeigt werden historische Arbeitsweisen, die gesellschaftlichen Vorurteile gegenüber Köhlern sowie die vielfältigen Verwendungszwecke dieser Produkte. Im Dachgeschoss wird die militärische Nutzung großer Heideflächen bis 1989, die dabei eingesetzten Hochspannungssicherungsanlagen und die dadurch entstandenen Auswirkungen auf Landschaft und Arbeit erläutert; dort befindet sich seit 2024 zudem eine kleine Sonderausstellung zum Werk des Holzbildhauers Harald Wroost.
Technisch hervorgehoben sind zwei Öfen: Ein funktionstüchtiger Teerofen von 1905 (13 m³) liefert bei bis zu vier Brandzyklen pro Jahr rund sechs Tonnen Holzkohle und etwa 150 Liter Holzteer. Der Betrieb dauert etwa eine Woche; nach anschließender Abkühlzeit wird die Kohle entnommen und der Teer aus dem Keller abgeschöpft. Der größere Ofen (48 m³) war von 1839 bis in die 1960er Jahre in Betrieb und steht heute als Schauofen samt Kellerbesichtigung zur Verfügung.
Im Außenbereich führt ein Modellpfad durch dreizehn verschiedene historische Verschwelungsanlagen Europas, ergänzt seit 2003 durch einen Skulpturenpfad mit Motiven aus Märchen und Sagen der Rostocker Heide, darunter Figuren wie der Ritter der Rostocker Heide, Dietrich von der Lünenburg, die Bernsteinhexe (aus der Novelle von Wilhelm Meinhold) und der heidegeist Gälknöker. Ein Rundweg um den Hof dient seit 1989 als Ort für die jährliche Pflanzung des „Baums des Jahres“ in Zusammenarbeit mit dem Stadtforstamt.