Franckesche Stiftungen zu Halle

Franckeplatz 1, 06110 Halle, Deutschland

Wo Sie uns finden:

Straße
Franckeplatz 1
PLZ/Ort
06110 Halle
Land
Deutschland
Telefon
0345 2127 400
Fax
0345 2127 433

Web
http://www.francke-halle.de

Beschreibung

Die Franckeschen Stiftungen zu Halle (früher Glauchasche Anstalten) bilden ein historisches Zentrum für soziale Praxis, Bildung und Kultur mit nationaler Bedeutung. Das weitgehend erhaltene Ensemble liegt in der Stadt Halle und umfasst ein geschlossenes Areal mit Wohn- und Schulbauten, Werkstätten und musealen Räumen.

Gegründet wurden die Stiftungen 1698 von August Hermann Francke aus der Idee, armutsbetroffene Kinder zu unterrichten und zu versorgen. Zunächst entwickelten sich Armenschule, Pädagogium und Lateinische Schule; bald folgte das Waisenhaus als zentrales Bauwerk, das 1701 in Nutzung ging. Wirtschaftliche Betriebe wie Buchhandlung, Druckerei, Buchbinderei, Apotheke und eine Kunst- und Naturalienkammer sicherten die Finanzierung. 1710 entstand in diesem Umfeld die Cansteinsche Bibelanstalt, die bis ins 20. Jahrhundert preiswerte Bibeln druckte. Im 18. Jahrhundert wirkten aus Halle heraus pietistische Netzwerke und Missionen, die Verbreitung und Austausch bis nach Nordamerika, Indien und zahlreiche europäische Regionen förderten.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wuchs der Schulanlagenkomplex weiter; 1911 wurden über 3000 Schüler verzeichnet. Der Zweite Weltkrieg und die folgende DDR‑Zeit brachten Zerstörungen, Enteignung und teilweisen Verfall, zudem wurde ein Teil der Waisenhausmauer für den Straßenausbau entfernt. Seit der Wiedergründung als Stiftung öffentlichen Rechts 1992 setzten umfangreiche Sanierungen ein; viele Bauten wurden in den 1990er und 2000er Jahren restauriert und ergänzt.

Heute beherbergen die Franckeschen Stiftungen mehr als fünfzig Einrichtungen, darunter vier Schulen, Institute der Martin‑Luther‑Universität Halle‑Wittenberg, die Kulturstiftung des Bundes und das Deutsche Jugendinstitut. Das Historische Waisenhaus bildet das kulturelle Herz: in seiner Mansarde liegt die barocke Kunst‑ und Naturalienkammer, der älteste bürgerliche Museumsraum Deutschlands mit rund 3.000 Objekten in reich verzierten Schränken. Weitere zugängliche Schwerpunkte sind das Francke‑Kabinett, das Kinderkreativzentrum Krokoseum und die historische Bibliothek mit dem barocken Kulissenmagazin. Konzerte, Ausstellungen und wissenschaftliche Veranstaltungen machen den Ort zu einem lebendigen Vermittlungsort. Der Komplex gilt als einzigartiges Beispiel sozialer und pädagogischer Zweckarchitektur und steht auf der deutschen Vorschlagsliste für das UNESCO‑Weltkulturerbe.

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