Mitten im historischen Zentrum von Detmold liegt das Fürstliche Residenzschloss Detmold, das über Jahrhunderte Wohnung und Repräsentationsort der Grafen und Fürsten zur Lippe war und heute weiterhin vom Familienoberhaupt bewohnt wird. Sein Bau geht auf eine mittelalterliche Burg zurück, die erstmals 1366 in Urkunden erscheint; ältere Spuren deuten auf einen bischöflichen Wirtschaftshof im 8. oder 9. Jahrhundert hin.
Die Entwicklung zum befestigten Wasserburgschloss setzte mit der Herrschaftsübernahme durch die Edelherren zur Lippe um 1200 und der Stadtegründung 1263 ein. Mauern des Schlossturms stammen aus dieser Frühzeit, weitere Teile der Süd- und Westflügel wurden im 14. Jahrhundert errichtet. Nach Zerstörungen im Zuge der Soester Fehde 1447 wurde die Anlage zu einer starken Festung mit Wallanlagen ausgebaut und Mitte des 15. Jahrhunderts zur ständigen Residenz erhoben. Im 16. Jahrhundert erfolgte der Umbau zu einer vierflügeligen Renaissanceanlage im Vorbild regionaler Schlossbauten; im 17. und frühen 18. Jahrhundert folgten Ergänzungen wie das Küchenportal (um 1620), der Ausbau des hinteren Flügels (1673) und eine barocke Innenausstattung mit Stuck und Wandteppichen, die das äußere Erscheinungsbild bis heute prägt.
Architektonisch zeigt das Schloss die Merkmale der Weserrenaissance: Vierflügelanlage mit Treppentürmen in den Hofwinkeln, asymmetrischer Hauptfassade, hohen Bastionen und breiten Wassergräben. Der Torflügel besitzt einen vorgezogenen Steingang mit Pilastern und einem Wappenfries mit der Jahreszahl 1557; an den Hofwinkeln sind Treppentürme mit den Jahresinschriften 1550 und 1551 sowie ein nördlicher Turm aus 1673 zu sehen.
Die Innenräume bewahren reichhaltigeSammlungen und historisches Interieur. Der Rote Salon zeigt frühe-18.‑Jahrhundertliche Deckenmalerei mit antiken Motiven; der Ahnensaal dokumentiert die dynastische Repräsentation in Porträts und Wandtäfelung. Elisabethsaal und Empire-Zimmer präsentieren Bildnisse und originales Mobiliar, darunter Geschenke aus dem Umfeld europäischer Höfe sowie Gobelins nach Rubens‑Entwürfen (1700–1709). Jagdzimmer und Königszimmer beherbergen Waffen, Trophäen und großformatige Wandteppiche mit Szenen aus den Feldzügen Alexanders des Großen, die im 17. Jahrhundert entstanden und im 20. Jahrhundert restauriert wurden. Im Fahnenzimmer befinden sich ein letzter Teppich der Reihe, die älteste lippische Fahne (1651) und weitere repräsentative Einrichtungsstücke. Die Schlosbibliothek enthält eine historische Orgel aus den USA mit Selbstspielapparat; die Pfeifenwerke sind teilweise in verschiedenen Geschossen untergebracht, das Instrument wird instand gesetzt.
Das Schloss mit Burggraben und Schlossplatz prägt ein Viertel der Altstadt. Die ursprünglichen Befestigungen und der südliche sowie westliche Burggraben sind weitgehend erhalten; der Graben wird von einem künstlichen Kanal gespeist. Der heutige Schlossplatz entstand im späten 18. Jahrhundert auf dem Gelände der einstigen Meierei, flankiert von repräsentativen Flügelbauten für Hof- und Landesverwaltung; die Anlage wurde im 19. Jahrhundert in einen Englischen Park umgewandelt und erhielt Springbrunnen sowie zahlreiche Denkmäler, darunter Erinnerungen an Kriegsopfer, ein Regenten-Denkmal und eine Büste Johannes Brahms.