Gedenk- und Dokumentationsstätte Konzentrationslager Welzheim

Hermann-Schlotterbeck-Platz 1, 73642 Welzheim, Deutschland

Wo Sie uns finden:

Straße
Hermann-Schlotterbeck-Platz 1
PLZ/Ort
73642 Welzheim
Land
Deutschland
Telefon
07182-2660
Web
https://www.museumwelzheim.de/

Beschreibung

Im Mittelpunkt der Erinnerungskultur steht das Schutzhaftlager Welzheim, ein von der Gestapo betriebener Haftort in der württembergischen Stadt Welzheim östlich von Stuttgart.

Die Gestapo Stuttgart übernahm 1935 das ehemalige Amtsgerichtsgefängnis; das vierseitige, dreigeschossige Gebäude aus etwa 1820 lag hinter dem alten Amtsgericht am oberen Marktplatz. Das zugehörige Gelände von rund 1.500 m² zwischen der heutigen Schillerstraße und der Murrhardter Straße war von einer fünf Meter hohen Mauer umgeben. Das ehemalige Amtsgerichtsgebäude diente als Kommandantur und Wohnung der Lagerleitung.

Das Lager erfüllte unterschiedliche Aufgaben: Mit Kriegsbeginn kamen fremdsprachige Häftlinge hinzu, zuvor wurden nach der Reichspogromnacht viele der etwa 2.000 in Baden, Württemberg und Hohenzollern verhafteten jüdischen Männer nach Welzheim gebracht. Teilweise fungierte das Schutzhaftlager als Durchgangsstation zu KZ wie Dachau oder Buchenwald, teils diente es der „Disziplinierung“ oder der gezielten Vernichtung einzelner Inhaftierter. Polnische Häftlinge, denen „verbotene“ Kontakte zu deutschen Frauen vorgeworfen wurden, wurden an ihren Herkunftsorten oder im Welzheimer Steinbruch gehängt; mindestens sechs russische Häftlinge wurden zur Erschießung dorthin gebracht. Die Häftlinge verrichteten Zwangsarbeit in Fabriken, auf Feldern, bei Forstarbeiten und bei Bauern. Eine kleine Schreinergruppe fertigte Möbel und führte Bauarbeiten für ein 1942 in Rudersberg errichtetes Frauen-Arbeitserziehungslager aus; in der Lagerschreinerei entstanden zudem Vorrichtungen für Hinrichtungen, und im Gefängnishof wurde ein transportabler Galgen gebaut. Hinrichtungen fanden im sogenannten Henkersteinbruch statt; mindestens 65 Personen wurden dort getötet.

Gründer und erster Kommandant (1935–1940) war Karl Buck; er wurde als „Schreibtischtäter“ beschrieben, da er Misshandlungen durch Wachpersonal durch Demütigungen anstieß. Sein Stellvertreter und Lagerverwalter von 1940 bis 1945 war Hermann Eberle, der 1949 während einer Spruchkammerverhandlung Suizid beging.

Am 25. April 1945 wurde das Lager evakuiert; die Gefangenen wurden auf Eilmärsche Richtung Bodensee getrieben mit dem Ziel, sie nicht lebend den heranrückenden alliierten Truppen zu überlassen. Anfang Mai flohen die letzten Wachleute nach zuvor verbrannten Akten; ähnliche Vernichtungen in der Gestapo Stuttgart haben die Quellenlage stark eingeschränkt. Ein ehemaliger Häftling fasste es so zusammen: Das ganze Lager sei eine einzige Folterkammer gewesen.

Beim Abbruch des ehemaligen Lagergebäudes wurde ein eingeritztes Holzbrett gefunden mit den Worten: „Das Schloß springt bald / ob’s noch so sehr vergittert / geh deine Bahn / aufrecht und unerschüttert.“ Am 15. April 2020 erhielt der Platz vor der ehemaligen Kommandantur den Namen Hermann‑Schlotterbeck‑Platz; am 27. April 2025 wurde in einem erhaltenen Nebengebäude dort eine Gedenk‑ und Dokumentationsstätte zur Geschichte des Schutzhaftlagers Welzheim eröffnet.

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