Als zentrales Ausstellungsobjekt der ersten Bauhausausstellung von 1923 präsentiert sich das Musterhaus Am Horn in Weimar. Der von Georg Muche entworfene Bau sollte zeigen, wie das Bauhaus sich zukünftiges Wohnen und Arbeiten vorstellte: modular, wirtschaftlich und mit technischer Ausstattung, die den Alltag erleichtern sollte. Erstmals arbeiteten die Werkstätten der Schule hier fachübergreifend zusammen; das Haus ist das einzige vollständig realisierte Bauhausgebäude in Weimar.
Das Gebäude liegt an der Straße Am Horn am einstigen östlichen Stadtrand und steht auf einem Hanggrundstück mit Garten und Nutzbeeten. Sein quadratischer Grundriss von etwa 12,70 m Seitenlänge umfasst rund 120 m²; ein zentrales, hochraumiges Wohnzimmer bildet das Atrium des Hauses. Die Fassaden sind sachlich gehalten, mit einem silbergrauen Edelputz und asymmetrisch angeordneten Fensterbändern; Dachaufbau und quaderförmiger Schornstein betonen die kubische Gestalt. Im Außenbereich dominierte eine einfache Terrassenrasenfläche und ein vierteiliger Nutzgarten.
Die Errichtung erfolgte in kurzer Bauzeit: Grundsteinlegung im April 1923, Fertigstellung im August 1923; finanziert wurde das Projekt privat. Nach der Ausstellung wurde die Einrichtung zunächst entfernt; in den Folgejahren wurde das Haus verkauft, erweitert und mehrfach umgenutzt. Es blieb bewohnt, erlitt Umbauten und wurde 1973 unter Denkmalschutz gestellt. Eine grundlegende denkmalpflegerische Sanierung fand 1998/99 statt, bei der spätere Anbauten zurückgebaut und historische Befunde soweit möglich rekonstruiert wurden. 1996 wurde das Gebäude gemeinsam mit weiteren Bauhausstätten in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Seit 2019 gehört das Anwesen zur Klassik Stiftung Weimar und ist wieder regelmäßig als Baudenkmal mit einer Dauerausstellung zugänglich.
Das Musterhaus Am Horn vermittelt zentrale Ideen des Bauhauses: die Verbindung von Kunst, Handwerk und industrieller Technik, den Einsatz vorgefertigter Baustoffe sowie frühe Formen der Einbauküche und Haustechnik. Zugleich dokumentiert es die kontroverse Rezeption dieser Ansätze in den 1920er Jahren und bleibt ein wichtiges Zeugnis der modernen Wohnkultur.