Im Berliner Regierungsviertel fungiert das Haus der Kulturen der Welt (HKW) als zentrales Forum für internationale zeitgenössische Künste und aktuelle Diskurse. Es zeigt Produktionen und Veranstaltungen aus aller Welt und richtet Debatten zu zeitgenössischen Themen aus.
Seit 1989 ist das HKW in der ehemaligen Kongresshalle am Ufer der Spree im Großen Tiergarten beheimatet; das markante Gebäude wird im Volksmund oft „Schwangere Auster“ genannt. Auf dem Gelände erinnerte vor dem Zweiten Weltkrieg das Institut für Sexualwissenschaft an eine bedeutende Forschungsgeschichte; im Haus bestehen Erinnerungssituationen wie die Magnus-Hirschfeld-Bar und der Lili-Elbe-Garten. Die Kongresshalle entstand als amerikanischer Beitrag zur Internationalen Bauausstellung 1957 und war damals als Repräsentation westlicher Modernität und Redefreiheit konzipiert.
Die Trägerschaft des Hauses geht auf eine GmbH zurück, die Ende 1988 gegründet wurde; heute ist das HKW Teil der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH, die unter anderem die Internationalen Filmfestspiele Berlin betreut. Das Haus erhält regelmäßige Fördermittel vom Auswärtigen Amt und von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien.
Gebäudegeschichte prägt die Institution: 1980 kollabierte ein Außendach wegen Materialermüdung; anschließende Sanierungen führten zur Wiedereröffnung anlässlich des 750-jährigen Stadtjubiläums 1987. Eine umfassende Teilinstandsetzung wurde 2019 abgeschlossen, die den Charakter der 1987 erfolgten Totalsanierung bewahren sollte.
Inhaltlich gliedert sich das Programm in die Bereiche Literatur, Gesellschaft und Wissenschaft; Bildende Kunst und Film; sowie Musik und Performing Arts. Das Haus kooperiert mit nationalen und internationalen Universitäten, Museen und kulturellen Einrichtungen. Die besondere Architektur mit Ausstellungshalle, Konzertsaal, Theater, Konferenzräumen, Produktionsflächen, Akademie und fester Radiostation bestimmt die Formate und Orte der Präsentation.
Ursprünglich mit einem deutsch‑amerikanischen Schwerpunkt gestartet, erweiterte das Haus sein Profil seit Ende der 1980er Jahre um nicht‑westliche Perspektiven. Ab Mitte der 1990er Jahre übernahmen nicht‑europäische Kuratorinnen und Kuratoren einen großen Teil des Programms; diese Öffnung löste zugleich Debatten über neue Formen des Eurozentrismus aus. Seit 2013 entstehen groß angelegte, disziplinübergreifende Langzeitprojekte, darunter das Anthropozän-Projekt, das vierjährige Projekt 100 Jahre Gegenwart (2016–2019) sowie das seit 2019 laufende Projekt The New Alphabet.