Im Stadtteil Broich von Mülheim an der Ruhr steht Schloss Broich als markante historische Anlage am Westufer der Ruhr nahe der Innenstadt. Teile der Befestigung gehen auf die späte Karolingerzeit zurück und gehören zu den ältesten erhaltenen frühmittelalterlichen Wehrbauten nördlich der Alpen; die Position an der historischen Ruhrfurt des alten Hellwegs prägt seine strategische Bedeutung.
Die Ursprünge reichen ins Jahr 883/884, als auf einem rund 11 Meter hohen Geländesporn oberhalb der Ruhr ein befestigtes Militärlager angelegt wurde, offenbar als Sperre für Fluss und Furt. Die ursprüngliche Anlage umfasste eine ovale Ringmauer mit mehrräumigen, teils zweistöckigen Gebäuden, jedoch ohne Hinweise auf dauerhafte Versorgungseinrichtungen, was auf eine kurzfristige Nutzung hindeutet. Nach dem Abzug der Wikinger wurde der Standort zunächst aufgegeben; gegen Ende des 11. Jahrhunderts erfolgte ein Wiederaufbau durch die Herren von Broich, die 1093 erstmals in Urkunden belegt sind.
Im Lauf des 12. und 13. Jahrhunderts wandelte sich die Anlage zu einer Festung: Ringmauern wurden verstärkt, ein Zwinger angelegt und ein massiver Bergfried von rund 17,4 Metern errichtet. Diese Befestigungen erwiesen sich als wirkungsvoll, als die Burg 1240 einer Belagerung durch den Kölner Erzbischof standhielt. In den folgenden Jahrhunderten prägten Erbfolgen, Umbauten und Kriege das Baugefüge: Im späten 14. Jahrhundert entstand ein gotischer Saalbau mit Staffelgiebeln, im 15. Jahrhundert führten Fehden und eine schwere Belagerung 1443 zur Eroberung und erheblichen Zerstörungen; Reparaturen wurden bis 1444 durchgeführt, der Bergfried anschließend abgetragen.
Im 16. und 17. Jahrhundert veränderten Erbverhältnisse und steigender Wohnbedarf die Innenbebauung, ohne dass die äußeren Befestigungen wesentlich modernisiert wurden. Zerstörungen durch kriegerische Durchmärsche endeten im späten 16. Jahrhundert mit einer Einnahme 1598 und der Ermordung des Burgherrn. Umfangreiche Wiederaufbauten und Erweiterungen erfolgten zwischen 1644 und 1648; die über dem Tor angebrachte Wappeninschrift mit der Jahreszahl 1648 dokumentiert diese Phase. Ein großer Schlossgarten, zusätzliche Flügel und eine Gruft unter der Kapelle entstanden, während eine vorgelagerte Vorburg im 19. Jahrhundert abgerissen wurde.
Im 18. Jahrhundert kam es zu Teilneubauten am Westflügel (1789) und zu Besuchen von Angehörigen höheren Adels, die sich in der Bevölkerung großer Beliebtheit erfreuten. Nach Auflösung der Herrschaft während der napoleonischen Zeit und preußischer Eingliederung 1815 verfielen Teile der Bausubstanz; Eigentümerwechsel und Umbauten im 19. Jahrhundert veränderten das Erscheinungsbild weiter. Stadtbesitz seit 1938, Kriegsschäden und anschließender Verfall führten in den 1960er und 1970er Jahren zu archäologischen Ausgrabungen und Restaurierungen; seither ist das Schloss wieder nutzbar, das Hochschloss diente unter anderem als Sitz der Volkshochschule.
Heute werden die repräsentativen Säle für städtische Empfänge und standesamtliche Trauungen genutzt; Räume des Schlosses stehen zudem für private oder betriebliche Veranstaltungen zur Verfügung. Im Hochschloss befindet sich das Historische Museum des Mülheimer Geschichtsvereins mit Grabungsfunden, Modellen und einem „Luisen-Zimmer“, das Einblicke in mehrere Jahrhunderte lokaler Geschichte gibt. Im Innenhof finden seit 2000 Musikfestivals statt; das Areal erlebt zudem saisonale Veranstaltungen wie die Broicher Schlossnacht und die Broicher Schlossweihnacht.
Anschrift: Am Schloss Broich 28, 45479 Mülheim an der Ruhr. ÖPNV: Mülheim, Schloß Broich.