Das Wülfing-Museum dokumentiert die technische und gesellschaftliche Entwicklung der Textilproduktion auf dem Gelände der ehemaligen Tuchfabrik „Johann Wülfing & Sohn“ in Radevormwald-Dahlerau im Oberbergischen Kreis, Nordrhein-Westfalen.
Die Fabrikanlage entstand aus einem Unternehmen, das 1674 in Lennep gegründet wurde und sich um 1806 wegen der napoleonischen Kontinentalsperre an die Wupper nach Dahlerau verlegte, wo sich günstige Standorte für Wasserräder fanden. Im Zuge der Industrialisierung wuchs der Standort beständig; Wasserkraft wurde schrittweise durch Dampfmaschinen und moderne Laufwasserkraftwerke ergänzt. Das Ensemble enthält ein Fabrikgebäude von 1838, das bis zur Insolvenz des Betriebs als eines der ältesten in Betrieb befindlichen Fabrikgebäude in Deutschland galt. Rund um die Fabrik entstand eine eigene Siedlung mit Werkswohnungen sowie Einrichtungen wie Läden, Post, Bahnhof, Kindergarten und Badeanstalt.
Bis zur Stilllegung der Produktion 1996 wurden hochwertige Wolltuche aus Kammgarnen mit synthetischen Fasern hergestellt. Das Unternehmen verarbeitete die Materialien vom Rohzustand bis zu fertigen Herrenkleidungs-Mustern. Grundlage waren ein umfangreiches Archiv und eine hausinterne Musterweberei mit etwa 1.000 Stoffmustern; daraus wählten Kunden saisonal rund 200 Muster für die Großserie. Überzählige oder nicht mehr benötigte Anzüge wurden ab Werk an Endkunden abgegeben.
Frühe elektrische Beleuchtung wurde wegen der Brandgefahr eingeführt; dafür erzeugte die Fabrik Strom mit Wasserturbinen und Dampfmaschinen sowie angeschlossenen Generatoren. Überschüsse an Drehstrom von bis zu 140 kW bei 5.000 Volt wurden in das damals entstehende Netz eingespeist, das zeitweise zum Betrieb gehörte. Ein Generator von 1903 diente bis 1946 dem Eigenbedarf und steht noch am Originalstandort; er kann zu Vorführzwecken angetrieben werden. Ebenfalls vorhanden ist eine modernisierte Francis-Turbine von 1922 mit etwa 250 kW Leistung.
Im Museum sind zahlreiche betriebliche Ausrüstungen erhalten: eine liegende Verbund-Dampfmaschine von 1891, die bis 1961 in Betrieb war und über Transmissionen mechanische Energie lieferte, Maschinen zur Textilherstellung, ein Labor zur Qualitätssicherung sowie zwei etwa 80 Jahre alte Jacquard-Webstühle mit Lochkartensteuerung aus der Musterweberei. Das benachbarte, noch laufende Laufwasserkraftwerk von 1922 ist ebenfalls zugänglich. Das Haus wird von ehemaligen, heute pensionierten Betriebsangehörigen getragen, die die Tradition fortführen.
Auf dem erweiterten Betriebsgelände wird die Geschichte der „Textilstadt“ auf Informationstafeln erläutert; es hat sich ein gemischter Gewerbepark angesiedelt, darunter eine kleine Spinnerei für Spezialtextilien. Dahlerau und das Wülfing-Museum sind Bestandteil der Route „Bergischer Ring“.