Im historischen Gefüge von Trier nimmt das Karl-Marx-Haus die Funktion eines Gedenk- und Ausstellungsortes für den hier 1818 geborenen Philosophen und Ökonomen Karl Marx ein. Das Gebäude an der damaligen Brückengasse 664 (heute Brückenstraße 10) entstand 1727 im regionaltypischen Barock der Saar‑Mosel‑Region und trug über die Jahrhunderte verschiedene bauliche Veränderungen, darunter der Ersatz des Mansarddachs nach einem Brand, die Aufstockung im 19. Jahrhundert und spätere Ladeneinbauten.
Die Familie Marx zog 1818 als Mieter in das Haus; Karl Marx wurde dort am 5. Mai 1818 als drittes Kind von Heinrich und Henriette Marx geboren. Ein Jahr später wechselte die Familie in ein kleineres Haus in der Simeongasse (heute Simeonstraße 8) in der Nähe der Porta Nigra, wo heute eine Gedenktafel an die Geburt erinnert.
Anfang des 20. Jahrhunderts geriet das Haus in Vergessenheit, erst 1904 wurde seine Herkunft wieder bekannt. 1928 erwarb die Sozialdemokratie das Gebäude mit dem Ziel, es als Erinnerungsstätte und Forschungsort einzurichten. Restaurierungen bemühten sich um Rekonstruktionen historischer Bauteile und die Beseitigung späterer Eingriffe. Politische Auseinandersetzungen verhinderten eine frühe Eröffnung; nach gewaltsamer Beschlagnahme und Nutzung während der NS‑Zeit wurde das Haus im Zweiten Weltkrieg teilweise beschädigt und nach 1945 instand gesetzt.
Seit 1947 wurde das Geburtshaus schrittweise museal genutzt; 1968 erfolgte eine Neuausrichtung mit wissenschaftlicher Ergänzung, 1983 ein umfassender Umbau. Eine grundlegend neu konzipierte Dauerausstellung wurde 2005 eingeführt; 2009 gingen Bibliothek und Originaldokumente an ein übergeordnetes Archiv. Für den 200. Geburtstag von Marx 2018 erhielt das Haus eine komplett überarbeitete Dauerausstellung („Von Trier in die Welt: Karl Marx, seine Ideen und ihre Wirkung bis heute“) in drei Ebenen, die Biografie, Werkentstehung und Wirkungsgeschichte bis in die Gegenwart thematisiert. Die Resonanz aus Medien und Wissenschaft war gemischt: Lob für moderne Inszenierung und Gestaltung stand kritischer Bewertung einzelner inhaltlicher und visueller Entscheidungen gegenüber.
Vor der COVID‑19‑Pandemie lagen die Besucherzahlen bei rund 50.000 jährlich; das Jubiläumsjahr 2018 verzeichnete etwa 62.000 Gäste, davon ein hoher Anteil internationaler Besucher. Seit 2018 setzt das Museum verstärkt auf digitale Vermittlungsformen.