Das MARCHIVUM befindet sich in Mannheim und erfüllt die Funktion des städtischen Archivs sowie des Hauses der Stadtgeschichte und Erinnerung. Bis März 2018 trug es die Bezeichnung Stadtarchiv Mannheim – Institut für Stadtgeschichte; seither firmiert es unter dem Namen MARCHIVUM. Standort des Hauses ist der umgebaute Ochsenpferchbunker in der Neckarstadt-West.
Die Institution geht auf eine hauptamtliche Leitung zurück, die ab 1907 das städtische Archiv als eigenständige Dienststelle etablierte und in der Folge stadtgeschichtliche Forschung und Publikationen förderte. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Archiv erhebliche Verluste; insbesondere gingen städtische Bauakten verloren, während Ratsprotokolle ab 1661 sowie Meldebögen und Meldekarteien seit 1807 gerettet werden konnten. Nach 1945 wurde der Bestand systematisch wieder aufgebaut. In den 1960er Jahren erfolgte eine organisatorische Neugliederung mit den Abteilungen Zwischenarchiv und Historisches Archiv; 2004 erhielt das Archiv den Zusatz „Institut für Stadtgeschichte“.
Das MARCHIVUM arbeitet auf Grundlage der städtischen Archivordnung und des Landesarchivgesetzes. Es vereint umfangreiche Bestände und Sammlungen, ein Servicezentrum für Forschung und Vermittlung sowie Ausstellungsbereiche. Seit 2021/2022 ergänzen zwei Dauerausstellungen das Angebot: die stadtgeschichtliche Schau „Typisch Mannheim!“ (Eröffnung November 2021) und die NS-Ausstellung „Was hat das mit mir zu tun?“ (Eröffnung Dezember 2022). Ergänzt werden diese durch Sonderausstellungen, ein NS-Dokumentationszentrum und seit 2024 die Ausstellung „MAEMORIES – Amerikanische Geschichte(n) in Mannheim“ auf dem ehemaligen US-Gelände Franklin. Wissenschaftlich und organisatorisch betreut das MARCHIVUM zudem die KZ-Gedenkstätte Sandhofen.
Das Archiv ist öffentlich zugänglich: Lesesäle ermöglichen Forschungen zur Stadtgeschichte, zu Bauakten und zur Familienforschung. Ein Digitalisierungszentrum arbeitet an der Sicherung und Bereitstellung des schriftlichen, bildlichen und tonalen Erbes; Teile sind online recherchierbar. Das Webportal „MARCHIVUM Druckschriften digital“ bietet seit Dezember 2021 durchsuchbare Zeitungen, Adressbücher und Theaterzettel aus dem 18. bis 20. Jahrhundert; Zeitungen sind zudem über das Deutschen Zeitungsportal zugänglich. Zur Ausstattung gehört eine Präsenzbibliothek mit rund 60.000 Bänden. Verschiedene Online-Datenbanken erschließen Bestände, darunter spezielle Portale zu jüdischem Friedhof, Stadtchronik, Straßennamen und Bibliothekskatalog; der Übergang von Findstar2 zum Virtuellen Lesesaal ist vorgesehen.
Der Umzug in den Ochsenpferchbunker folgte einer Standortentwicklung von barocken Rathausräumen über Zwischenlager und ein Bürogebäude bis zur Entscheidung für einen Umbau, der 2016 begann und 2018 in Betrieb genommen wurde. Für die Umnutzung des Bunkers als öffentliches Archiv- und Ausstellungsgebäude wurde das Projekt 2020 ausgezeichnet. Im Treppenhaus zwischen Erd- und zweitem Obergeschoss sind mehrere Wandbilder der Künstler Sourati (alias Christina Laube) und Mehrdad Zaeri zu sehen.