In Bielefeld bewahrt das Museum Wäschefabrik am historischen Standort die Arbeits- und Alltagswelt einer einstigen Wäscheproduktion. Die Anlage vermittelt die Produktionsbedingungen und sozialen Verhältnisse einer Wäschefabrik des frühen 20. Jahrhunderts unmittelbar im ursprünglichen Umfeld.
Die Betriebstätigkeit geht zurück auf das Leinen- und Wäschegeschäft M. Dahl (ab 1884). 1899 übernahmen führende Angestellte das Geschäft; ab 1907 firmierte die Produktion unter Vereinigte Wäschefabriken. Der Fabrikbau in der Viktoriastraße wurde 1912/1913 errichtet und diente zugleich als Wohnhaus für die jüdische Gründerfamilie Juhl. In den 1920er Jahren erreichte der Betrieb mit bis zu 210 Näherinnen seine größte Beschäftigtenzahl und erweiterte die Produktion auf mehrere Standorte; gefertigt wurden u. a. Bett- und Tischwäsche, Nacht- und Unterwäsche sowie Hemden und Blusen. Die Weltwirtschaftskrise und strukturelle Veränderungen führten ab Ende der 1920er Jahre zu Rückgängen; 1938 erfolgte der Verkauf im Kontext der Arisierung an die Brüder Winkel. Kriegsbedingt kam es zu Verlagerungen und Zerstörungen; nach 1945 nahm die Produktion in reduzierter Form wieder auf. Ab den 1960er Jahren führten die Textilkrise, veränderte Haushaltsgeräte und rechtliche Neuerungen zu weiterem Bedeutungsverlust; die Belegschaft schrumpfte bis in die 1970er Jahre erheblich.
Die Umwandlung zum Museum begann nach einer Entdeckung des Hauses 1986. Ein Förderverein setzte sich für den Erhalt ein, das Gebäude wurde unter Denkmalschutz gestellt, später erworben und als Museum eröffnet. Die Initiative erhielt eine Auszeichnung des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz; das Haus ist Teil internationaler und regionaler Netzwerke zur Textil- und Industriegeschichte.
Als begehbares Denkmal zeigt das Museum Originalarbeitsplätze, Inventar und Maschinenbestände, die seit 1964 weitgehend unverändert sind. Im Nähsaal stehen über 50 Näh- und Stickmaschinen (Baujahre 1914–1962) von Herstellern wie Dürkopp, Adler, Anker, Phoenix und Singer. Begleittexte an den Arbeitsplätzen erläutern Produktionsablauf und Arbeitsbedingungen; im Eingangsbereich wird die Geschichte der Gründerfamilie Juhl präsentiert. Das Ensemble gilt als einzigartiges Zeugnis der regionalen Industriekultur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.