In Neuss, nahe dem Ortsteil Holzheim, befindet sich die Raketenstation Hombroich; das Gelände gehört zur Stiftung Insel Hombroich und nutzt die ehemalige militärische Anlage heute als Museum und Kulturstandort. Früher war hier eine NATO-Raketenstellung untergebracht.
Die militärische Nutzung begann in den 1960er Jahren: 1962 entstand an der Neusser Straße in Grevenbroich-Kapellen eine Kaserne für 300 belgische Soldaten. In den Folgejahren entstand auf rund 13 Hektar die Raketenstation in Neuss-Hombroich, die 1967 von einem belgischen Raketengeschwader in Dienst genommen wurde. Zum Komplex gehörte eine nahe gelegene Radaranlage am Ortsausgang Kapellen. Auf dem Gelände waren Nike-Hercules-Raketen des Typs MIM-14 stationiert, die Reichweiten bis zu 150 Kilometern aufwiesen und mit dem Nuklearsprengkopf W31 bestückt werden konnten. Drei Abschussbasen bildeten den Kern der Anlage, die der Abschreckung und der Landesverteidigung diente. Zwischen 1968 und 1985 waren dort Einheiten der belgischen Luftwaffe (55 Smaldeel) und US-amerikanische Soldaten (Team C 507th Artillery) stationiert. In den 1980er Jahren kam es vor der Anlage zu Protesten und Sitzblockaden, unter anderem im Januar 1984. Im Zuge des INF-Vertrags wurden die Raketen 1988 demontiert und abtransportiert; der Standort wurde 1990 geschlossen.
Seit den 1990er Jahren wandelte sich das Areal schrittweise zur Kulturstätte. 1994 wurde das Gelände erworben und vorhandene Bauten umgestaltet; Planungsideen für weitere Architektur und Skulpturen wurden 1996 auf der 6. Architektur-Biennale in Venedig vorgestellt. Ab 1994 wirkte ein Designer- und Künstlerteam an der Gestaltung mit. Heute leben und arbeiten Komponisten, bildende Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler auf dem Gelände. 2004 wurde das Kunst- und Ausstellungshaus der Langen Foundation, entworfen von Tadao Ando, fertiggestellt. Nördlich begrenzt der historische Strategische Bahndamm das Museumsgelände; für diesen Bereich plant die Stiftung das Projekt Raumortlabor mit einer Mischung aus Bebauung und Natur. Nach 2007 war die Fertigstellung einiger Bauvorhaben vorerst ungewiss; ein Haus für Musiker nach Plänen des Architekten Raimund Abraham wurde 2014 vollendet und bietet Übungsräume, Gemeinschaftsflächen, Wohnungen, einen Studioraum, eine Bibliothek sowie nutzbaren Innenhof und unterirdische Arena. 2016 eröffnete südlich angrenzend eine Skulpturenhalle, die der Künstler Thomas Schütte entwarf und errichten ließ. 2020 zeigte das Gelände das auf Stelzen errichtete Teehaus Ein Stein des Architekten Terunobu Fujimori; das Holz wurde mit der Yakisugi-Methode angekohlt, um es wasser- und insektenresistent zu machen, begleitet von einer Fotoschau seiner Teehaus-Architektur.