In Furtwangen im Schwarzwald zeigt das Deutsche Uhrenmuseum die Geschichte der Zeitmessung und ist als Institut der Hochschule Furtwangen (HFU) in die regionale Bildungslandschaft eingebettet. Sein Schwerpunkt liegt auf der handwerklichen und industriellen Uhrenproduktion im Schwarzwald; zur Sammlung gehören frühe Kuckucksuhren des 18. Jahrhunderts sowie der Prototyp des heutigen Schwarzwaldsouvenirs.
Rund ein Drittel der Besucher nimmt an persönlichen Führungen teil, in denen Uhren und Musikinstrumente vorgeführt werden. In den Ferien bauen Kinder in der „Uhrenwerkstatt“ eigene Uhren, und für Schulklassen gibt es modulare Themen-Workshops, teilweise abgestimmt auf den Bildungsplan. Insgesamt umfasst die Sammlung 8000 Objekte, etwa 1300 Uhren werden dauerhaft gezeigt; ergänzende Bestände bilden ein Firmenarchiv und eine Fachbibliothek deutschsprachiger Literatur.
Die Sammlungsgeschichte reicht bis 1852 zurück, als die Leitung der örtlichen Uhrmacherschule begann, historische Uhren als Zeugnisse handwerklicher Tradition zusammenzutragen. Erste öffentliche Präsentationen fanden 1858 statt; ab 1874 waren die Bestände dauerhaft in einer neu errichteten Gewerbehalle ausgestellt. Ein gedruckter Katalog von 1925 verzeichnete bereits über 1000 Uhren. Nach mehreren Neubauten und Erweiterungen wurde 1978 aus der Historischen Uhrensammlung das Deutsche Uhrenmuseum; ein bedeutender Erwerb einer Fabriksammlung 1975 erweiterte insbesondere den Bereich Taschen- und Renaissanceuhren. Der heutige Museumsbau wurde 1992 eingeweiht; das Haus ist als Eigenbetrieb der Hochschule organisiert. Seit dem 1. August 2024 bleibt das Museum wegen einer grundlegenden Sanierung geschlossen; die Schausammlung soll voraussichtlich 2027 wieder öffnen. In der Zwischenzeit ist das Museum mit dem Projekt „Das Deutsche Uhrenmuseum unterwegs“ mobil tätig, unter anderem mit einem Kuckucksuhr-Workshop für Veranstaltungen und Angeboten für Kindergärten.
Die Dauerausstellung (seit 2010 auf 1400 m²) beleuchtet die Entwicklung von Uhren und Zeitvorstellungen in der abendländischen Kultur. Gezeigt werden Holzuhren des 18. und 19. Jahrhunderts, die massenhaft exportierten, preisgünstigen Schwarzwälder Großuhren, die Industrialisierung der Uhrenfertigung, Taschen- und Armbanduhren sowie die Sektion „Moderne Zeiten“ mit der technischen und sozialen Veränderung des Zeitverständnisses. Historische astronomische Uhren und planetarische Modelle der Sammlung dokumentieren die enge Beziehung von Zeitmessung und Himmelsbeobachtung in vormodernen Epochen. 2006 wurde das Museum als einer der „365 Orte im Land der Ideen“ gewürdigt; 2008 erhielt es die Auszeichnung als Ankerpunkt der European Route of Industrial Heritage. 2010 verzeichnete das Haus rund 60.000 Besucher.