Im östlichen Stadtteil Hegi bei Winterthur präsentiert sich Schloss Hegi als markantes Beispiel eines spätgotischen Herrensitzes in der Nordostschweiz; das Anwesen ist als Kulturgut von nationaler Bedeutung registriert. Der Name geht auf das zürichdeutsche Wort «Hag» zurück, das mit «Zaun» übersetzt wird.
Die Anlage geht auf die Herren von Hegi zurück, die erstmals 1225 urkundlich erscheinen. Die Burg stand ursprünglich auf Grundbesitz des Bistums Konstanz; die Familie fungierte dort als ministeriales Geschlecht und hielt zugleich Ämter und Lehen, unter anderem für das Kloster Petershausen sowie kyburgische und später habsburgische Rechte. Gegen Mitte des 15. Jahrhunderts gelangte die Anlage durch Familienverhältnisse an die Hohenlandenberg, die sie unter den Brüdern Ulrich und Hugo deutlich erweiterten. Hugo war später Bischof von Konstanz (1496–1532). 1519 kam die Herrschaft durch Heirat an die aargauische Familie von Hallwyl; die Burg entwickelte sich zum Zentrum einer kleinen Herrschaft. 1587 erwarb die Stadt Zürich das Gebäude und richtete dort eine Obervogtei ein, während die Lehensbindung an das Bistum Konstanz formal bestehen blieb. Nach 1798 wechselte das Schloss mehrfach den Besitzer; 1915 ging es in den Besitz eines Zürcher Geschichtsprofessors über. 1947 kaufte die Stadt Winterthur das Schloss, machte Teile davon für die Öffentlichkeit nutzbar und nutzte Räume für eine Jugendherberge (1953–2000). Heute beherbergt das Haus ein Museum und dient kulturellen Veranstaltungen; es bestehen Bestrebungen zur Zusammenarbeit mit den Pädagogischen Hochschulen Zürich und Nordostschweiz.
Baulich lässt sich die Entwicklung in drei Phasen verfolgen. Der älteste Kern bildet ein Turm mit massivem Grundriss; an ihn schlossen sich um 1500 umfangreiche Umbauten an, darunter das dreigeschossige Ritterhaus an der Nordseite, Ringmauern und drei runde Ecktürme sowie ein sechseckiger Kapellenturm an der Nordostecke. Die Anlage lag einst von einem Wassergraben umgeben, gespeist aus einem Arm der Eulach; dieser wurde im 18. Jahrhundert verfüllt. Im 17. und 18. Jahrhundert erfolgten Umbauten und Ergänzungen; 1707 brannte der hölzerne Obergaden des Wohnturms ab und wurde durch ein gemauertes Geschoss ersetzt. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden umfassende Restaurierungen vorgenommen, bei denen störende Anbauten entfernt wurden.
Die Innenausstattung umfasst mehrere historische Räume: ein spätgotisches Zimmer mit gewölbter Holzdecke (um 1500), die Untere und Obere Vogtstube mit Malereien, Glasfenstern und Wappendarstellungen sowie originale Ofenkeramik aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Die Obere Kapelle ist polygonal angelegt und besitzt ein achteiliges Sterngewölbe; ihr Bau wird in Verbindung mit der Hohenlandenberg-Familie gesehen.