Im historischen Zentrum von Nürnberg erzählt das Spielzeugmuseum Nürnberg (auch Museum Lydia Bayer) auf 1400 m² die Kulturgeschichte des Spielzeugs von der Antike bis zur Gegenwart. Als städtisches Museum, eröffnet 1971, gehört es zu den international bekannten Einrichtungen seiner Art.
Das Museum ist im Haller’schen Haus an der Karlstraße 13–15 untergebracht. Das Anwesen wird in städtischen Urkunden bereits im späten 14. Jahrhundert genannt; als patrizisches Haus erscheint es 1517. Im 17. Jahrhundert erhielt die Fassade ein dreigeschossiges, reich verziertes Giebelfeld im Stil der italienischen Renaissance. Im Innenhof liegt eine für Nürnberg typische hölzerne Dockengalerie; im 18. Jahrhundert entstanden hier ein hölzernes Chörlein und eine Stuckdecke mit Rokokoornamenten und halbplastischen Vogeldarstellungen. Werkstätten und Lager nutzten früher die Erdgeschosse und Keller der Hofanlagen. Teile des Ensembles wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört; nach Reparatur- und Wiederaufbauarbeiten erwarb die Stadt das Grundstück 1961 und integrierte hinter der historischen Fassade einen Museumsneubau. Das Gebäude ist Station der Historischen Meile Nürnberg.
Die Grundlage der Sammlung bildeten rund 12.000 Objekte, die Lydia und Paul Bayer über Jahrzehnte zusammengetragen hatten. Ihre Bestände wurden 1966 von der Stadt übernommen und in den folgenden Jahrzehnten museal erschlossen. Die Ausstellungsfläche wurde 1989 erweitert und 1998 durch den Dachausbau auf 1400 m² vergrößert. Das Museum ist Teil des Verbunds Museen der Stadt Nürnberg, zu dem mehrere städtische Häuser sowie das Deutsche Spielearchiv Nürnberg gehören.
Neben der Dauerausstellung zur Spielzeuggeschichte organisiert das Haus Vermittlungs- und Präsentationsformen, die Bestände zugänglich machen. 2019 erfolgte zusammen mit dem Bayerischen Spiele-Archiv München-Haar die Eintragung in das Register Guter Praxisbeispiele des bayerischen Landesverzeichnisses als Immaterielles Kulturerbe im Bereich der Förderung von Brettspielen. Vor dem Museum steht seit der Eröffnung 1971 der Gockelreiterbrunnen des Nürnberger Künstlers Michael Mathias Prechtl: eine farbig bemalte Keramikfigur auf einer Röhre in einem Waschbetonbecken, die traditionsreiche Kleinbrunnenformen und die Spielzeugtradition der Stadt visualisiert.