Im historischen Gefüge von Bad Cannstatt nimmt das Klösterle am Thaddäus-Troll-Platz eine markante Stellung ein. Das Fachwerkhaus in der Marktstraße 71 liegt am Rand der mittelalterlichen Altstadt von Cannstatt, die heute zu Stuttgart gehört, und weist eine ungewöhnliche Baugestalt auf: Im ersten Obergeschoss ist eine gotische Hauskapelle erhalten.
Dendrochronologische Untersuchungen datieren die für den Bau verwendeten Hölzer auf das Jahr 1463; die Fertigstellung des Hauses wird daher in die Zeit um 1465 eingeordnet. Im Jahr 1476 erhielt das Gebäude einen Erker, im Obergeschoss wurde 1576 eine Renaissancestuckdecke eingebracht, und um 1580 entstand eine anliegende Scheuer als Wirtschaftsgebäude.
Über die Nutzung existieren unterschiedliche Hinweise. Grundbücher und Steuerakten nennen verschiedene bürgerliche Eigentümer, einen formell eingetragenen Beginenkonvent finden sich dort nicht. Der überlieferte Name Klösterle legt jedoch nahe, dass das Haus zeitweise von Beginen genutzt wurde; in vergleichbaren Fällen blieben Stifter oft formelle Eigentümer, obwohl Konvente vor Ort lebten. Eine Auflösung eines möglichen Beginenkonvents wird für die Mitte des 16. Jahrhunderts angenommen. Ein späterer Eigentümer hatte das Gebäude von seiner Mutter geerbt; diese könnte eine Begine gewesen sein. Sollte dies zutreffen, wäre die im Obergeschoss erhaltene Kapelle ein einzigartiges Beispiel einer Hauskapelle in einem Beginenhaus.
Die Baualtersdaten in Kombination mit dem hohen Erhaltungsgrad heben das Klösterle innerhalb der Stuttgarter Bausubstanz hervor: Als vollständig überliefertes profanes Wohnhaus reicht es weiter zurück als andere komplett erhaltene Wohnbauten der Stadt. Im Vergleich dazu enthält ein Dachbalken eines Hauses in der Brählesgasse eine Fällung aus 1348, doch sind dort die unteren Bauteile erst im 18. Jahrhundert erneuert worden.
Im 20. Jahrhundert erfuhr die Außenfassade Veränderungen, und ab den 1930er-Jahren bestanden Abrissplanungen. Nachdem in den 1970er-Jahren ein Abriss erneut zur Debatte stand, wurde das Gebäude in den Folgejahren denkmalgerecht saniert; für die Restaurierung wurde ein Architektenpreis vergeben. Seit den 1980er-Jahren befindet sich im Erdgeschoss die Weinstube Klösterle; in der angrenzenden Scheuer ist seit 1988 das Stadtmuseum Cannstatt untergebracht. 2013 widmete eine Ausstellung dem Haus die Präsentation zahlreicher historischer Dokumente.
Weitere Hinweise deuten darauf hin, dass in Cannstatt mehrere Beginenkonvente existierten, zu denen jedoch bislang nur knappe Erwähnungen überliefert sind.