Die Burg Tharandt setzt als markante Ruine das historische Bild der Stadt Tharandt bei Freital im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und liegt auf einem von Schloitzbach und der Wilden Weißeritz umflossenen Bergsporn. Die oberhalb gelegene Ruine und das unmittelbar benachbarte Schloss Tharandt bilden ein Zeugnis der Burgenromantik des 19. und 20. Jahrhunderts, obwohl nur wenige Bauteile der ursprünglichen Befestigung erhalten sind.
Als Grenzwehr wurde die Anlage nach Zerstörung der benachbarten Burg Thorun im frühen 13. Jahrhundert errichtet; schriftliche Nennungen der Region verbinden im Jahr 1294 zwei benachbarte Anlagen. Die Burg diente wechselnden Landesherren als Verteidigungs- und Verwaltungsstandort, erlebte Belagerungen und Brände im 13. Jahrhundert und wurde in der Mitte des 13. Jahrhunderts neu erbaut. Im späten Mittelalter erhöhte eine Verpfändung an lokale Grafengeschlechter ihre Bedeutung als stark befestigte Herrschaftsstätte und Amtssitz. In der Folgezeit wuchs ihre militärische Ausstattung; ab dem späten 15. Jahrhundert erfolgten wohnliche Ausbauten für die herzogliche Nutzung, und die Anlage wurde zunehmend auch als Schloss bezeichnet.
Nach dem Tod der zuletzt hier residierenden Herzogin zu Beginn des 16. Jahrhunderts verfiel die Burg; Bauteile wurden entnommen und anderswo wiederverwendet, später erfolgte ein weitgehender Abbruch. Auf Teilen der Unterburg entstand zwischen 1626 und 1629 die Stadt- und Bergkirche, die 1631 geweiht wurde und seit 1927 den Namen Zum Heiligen Kreuz trägt. Um 1800 begann die Sicherung der Ruine im Sinn der Burgenromantik; zahlreiche Künstler des 19. Jahrhunderts hielten den Anblick in Bildern fest, darunter bekannte Maler und Grafiker wie Ludwig Richter, Caspar David Friedrich, Adrian Zingg und Carl Blechen. Im 20. Jahrhundert wurden auf der Oberburgzeit eine Freilichtbühne angelegt und ab 1976 archäologische Untersuchungen und denkmalgerechte Sanierungsarbeiten vorbereitet. Ab 2013 begann eine umfassende Restaurierung der Ruine; zur Verbindung mit der europäischen Geschichte bestehen Partnerschaften mit Poděbrady (Podiebrad) und Cheb (Eger). Bei Stadtfesten finden Mittelaltermärkte und öffentliche Führungen statt, die auch Kirche und freigelegte Kellergewölbe einschließen; die offene Kirche ist in der warmen Jahreszeit für Besucher zugänglich.
Das Schloss Tharandt entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts als Stadtschloss anstelle eines Landhauses und wurde später im maurisch-orientalischen Tudorstil umgestaltet. Nach einem Brand in den 1930er Jahren erhielt das Gebäude sein heutiges Erscheinungsbild. Jahrzehntelang nutzte die Forstlehranstalt Tharandt das Schloss; seit den 2000er Jahren befindet es sich in Privatbesitz und wird schrittweise saniert. Sowohl die Burgruine als auch das Schloss Tharandt sind als Kulturdenkmale im Landesamt für Denkmalpflege Sachsen registriert.