Der Tränenpalast in Berlin-Mitte steht am Bahnhof Friedrichstraße und erinnert an die früheren Ausreiseformalitäten an einer der wichtigsten innerdeutschen Übergangsstellen. Von hier führten S- und U-Bahnen Richtung West-Berlin; Fernzüge passierten über West-Berlin in die Bundesrepublik.
Errichtet wurde die Ausreisehalle kurz nach dem Mauerbau und von der Deutschen Reichsbahn betrieben. Die Architektur mit freitragender Stahl-Glas-Konstruktion und keramischer Verkleidung sollte zeitgenössische internationale Gestaltungsprinzipien widerspiegeln und die eigentliche Funktion kaschieren. In der Halle waren Kontroll- und Abfertigungsschalter untergebracht, die von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit in Uniformen der Grenztruppen besetzt wurden.
Der volkstümliche Name „Tränenpalast“ entstand durch die oft tränenreichen Abschiede zwischen DDR-Bürgern und ihren westlichen Besuchern, weil Ausreisenden meist keine Reisefreiheit gestattet war. Zugangsbeschränkungen und wechselnde Regelungen prägten den Ablauf: Vorabkontrollen an den Eingängen, Zoll- und Gepäckkontrollen, die Einhaltung von Ausfuhrbestimmungen sowie die genaue Überprüfung von Pässen und Visa an mehreren Abfertigungsschaltern mit Zuordnungsleuchten für verschiedene Staatsangehörigkeiten. Erst nach Abschluss der Kontrollen gelangten Reisende in den westlichen Bahnhofsteil mit Anschlüssen zur S-Bahn, U-Bahn und Fernbahn. Die Einreise nach Ost-Berlin wurde über andere Bahnhofsanlagen abgewickelt.
Bekannt wurde der Ort auch durch einen tödlichen Zwischenfall im Jahr 1974, als ein Reisender beim Passieren der Halle erschossen wurde.
Nach der Wiedervereinigung verlor die Halle ihre ursprüngliche Funktion; sie wurde unter Denkmalschutz gestellt und zeitweise kulturell genutzt. Seit Abschluss umfassender Sanierungsarbeiten beherbergt der denkmalgeschützte Tränenpalast die ständige Ausstellung „Alltag der deutschen Teilung“, betrieben von der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Auf rund 550 Quadratmetern veranschaulichen biografische Beispiele, Originalobjekte, rekonstruierte Abfertigungskabinen und ein Modell im Maßstab 1:87 das Leben an der Grenze und Stationen des Vereinigungsprozesses.