Am Nordufer der Wupper in Solingen befindet sich der Wipperkotten, eine historische Doppelkottenanlage und eines der beiden an der Wupper weitgehend original erhaltenen Schleifwerke der Stadt. Heute dient der Innenkotten als Wohnhaus, während der Außenkotten als Industrie- und Schleifermuseum betrieben wird.
Der Kotten liegt im südlichen Solinger Stadtgebiet im Bezirk Burg/Höhscheid, nahe der Stadtgrenze zu Leichlingen. Über eine Stichstraße von der Wipperaue erreicht man das Gelände; mehrere Wanderwege führen vorbei, darunter der Klingenpfad, der 2023 eröffnete Liewerfrauenweg und der Erlebnisweg Wupper bis zum Manuelskotten in Wuppertal-Cronenberg.
Die Anlage besteht aus zwei zweigeschossigen Fachwerkbauten mit Satteldächern, getrennt nur durch einen schmalen Wassergraben. Ein Obergraben, der von einem Wehr abzweigt, leitet Wasser zu jeweils unterschlächtigen Wasserrädern; diese sitzen an eigenen Holzwellen zwischen Innen- und Außenkotten und treiben Schleifsteine und Polierscheiben mechanisch an.
Erstmals 1605 in Pachtunterlagen erwähnt, dürfte der Wipperkotten um 1600 entstanden sein. Im 17. Jahrhundert bot die Doppelkottenanlage Platz für 12 bis 16 Schleifer. Brände zerstörten die Gebäude 1783 und 1858; beide Male erfolgte ein Wiederaufbau. Im 19. Jahrhundert erstreckte sich das Einzugsgebiet der Schleifer weit über Solingen hinaus. Nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel die Anlage; der Innenkotten wurde nach 1954 von einem Künstler als Wohnhaus genutzt, im Außenkotten arbeiteten noch einzelne Schleifer. Dank Engagements von Schleifern und Förderern blieb der Außenkotten erhalten und wurde als Außenstelle des LVR-Industriemuseums Solingen eingerichtet; Handarbeiter nutzen ihn weiterhin zum Schleifen, und eine Ausstellung dokumentiert die Geschichte des Ortes und des Berufs.
Schwere Hochwasserschäden 2021 führten zu umfangreichen Restaurierungen, die bis Mitte 2023 begannen und mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz durchgeführt wurden; die Restaurierung des Museums wurde bis Anfang 2025 weitgehend abgeschlossen. Der Wipperkotten gilt neben dem Balkhauser Kotten als letzter original erhaltener Schleifkotten an der Wupper und stellt ein bedeutendes Zeugnis der Solinger Wirtschaftsgeschichte dar.