Station: [100] Jüdisches Ritualbad
Plan zum Baugesuch vom 25. Mai 1893 für einen Neubau des Frauenbades - Stadtarchiv Creglingen
w: Zur Grundausstattung jeder jüdischen Gemeinde gehört die der rituellen Reinigung dienende Mikwe.
Die Mikwe ist ein mit sogenanntem „lebendigem Wasser“ wie Quell-, Grund-, Fluss- oder Regenwasser gespeistes Tauchbad, in dem sich Männer und Frauen rituell reinigen. Sie wird zum Beispiel nach der Berührung von Toten, vor allem aber von Frauen nach der monatlichen Regel benutzt. Auch Gegenstände können darin im kultischen Sinne gereinigt werden.
m: In Creglingen sind im Laufe der Jahrhunderte drei Mikwen an verschiedenen Standorten belegt.
Die erste in einem jüdischen Wohnhaus in der Lindleinstraße. Heute weist nichts mehr auf sie hin.
Die zweite in der Synagoge neben dem Faulturm. Als die Quelle, die das Frauenbad speiste, durch eine in der Nähe liegende Dungstätte und auch durch städtische Abwässer verunreinigt wurde, musste diese Mikwe geschlossen werden.
w: Daraufhin baute die jüdische Gemeinde 1895 eine neue Mikwe hier am heutigen Craintaler Weg am Herrgottsbach. Das einstöckige Badgebäude aus Stein mit Satteldach bestand aus einem heizbaren Baderaum und einem Heizraum. Zur Einrichtung gehörte ein schmiedeeiserner 640 Liter fassender Kessel und eine ,,Badwanne von Zink”. In ihr konnten sich die Menschen aufwärmen, wenn sie aus dem mit kaltem Herrgottsbachwasser gespeisten Tauchbecken kamen. An der seitlichen Giebelseite des Gebäudes war ein Anbau mit einem „Abtritt" angebaut. Auf einem kleinen Vorplatz stand noch ein Holzschuppen.
m: Im März 1939, als die jüdische Gemeinde bereits nicht mehr existierte, musste die Mikwe zusammen mit der Synagoge an die Stadt Creglingen zwangsverkauft werden. Im Juni 1939 wurde die Mikwe am Herrgottsbach auf Abriss weiterveräußert. Im Gemeinderatsprotokoll vom 22. Juni 1939 ist zu lesen, „dass das Häuschen eine Verschandelung des Stadtbildes darstellt und auch der Baustil ziemlich an die vergangene Judenzeit erinnert“.
Vier Wochen nach dem Gemeinderatsbeschluss war die Mikwe abgerissen. Nur die Grundmauern sind heute noch zu erkennen.

