Station: [16] Anish Kapoor, Untitled, 1997


Magisch angezogen verweilen wir – und das Verweilen vor einem Kunstwerk ist nichts Selbstverständliches - vor der silbrig glänzenden Edelstahl-Schale von Anish Kapoor (*1954 in Mumbai, Indien). Wir sind verwirrt, denn je nachdem wo wir stehen wird der Park und Wir selber auf ihrer spiegelnden, polierten Oberfläche ganz ungewohnt wiedergegeben: Das Bild ist um- und seitengekehrt, die Größenverhältnisse sind verändert, unsere festen Raster gewohnter Wahrnehmung zerrüttet, sogar Schwindel kann sich einstellen. Die Spiegelung lässt Kunsthistoriker an ein allegorisches Selbstportrait der Kunst denken, die nicht der Realitäts-Nachahmung mit artifiziellem Raumentwurf dient. Kapoors außergewöhnliche Skulpturen basieren auf Überlegungen über malerische Möglichkeiten und Darstellungsprinzipien, über unsere Sehgewohnheiten und den Erkenntniszuwachs durch neue Betrachtungsweisen. Interessant ist dieser Gedanke vor allem, wenn man bedenkt, dass die Schale selber gar nicht mehr als Objekt registriert wird: "Das ist das Paradox dieser Arbeit - dass sie physisch absolut präsent und zugleich gar nicht da ist“, sagt Kapoor. Er ist einer der erfolgreichsten und meistgefeierten britischen Künstler der letzten 25 Jahre, und einer der prominentesten Protagonisten der British Sculpture, der das Spektakuläre nicht scheut. Mit immer wieder unerwarteten Formen oft gigantischer Ausmaße und ungewöhnlichen Materialien verbindet Kapoor „die spirituelle Tradition Indiens mit der Idee des Sublimen aus der westlichen Kunsttradition“: „Ich habe unterschiedliche Formensprachen und ein Repertoire an Materialien, das ich ständig erweitere - das ist eine Welt, in der eine ganze Menge möglich ist."(Kapoor).

Anish Kapoor

Untitled, 1997

Stahl, poliert

Dauerleihgabe Michael und Eleonore Stoffel Stiftung

© Stiftung Skulpturenpark Köln, 2015, Foto: Axel Schneider, Frankfurt am Main