Station: [43] Lois Weinberger, Spur, 2015


Lois Weinberger (*1947 in Stams in Tirol, lebt in Gars am Kamp und Wien) lässt eine Schneise durch den Park ziehen. Zweimal wird die Steinpflasterung der Wege gekreuzt und die Rasenoberfläche mit einem Baggerfahrzeug verletzt. Der Hügel des Geschiebes erhebt sich am Ende des Weges. Der Aushub aus Rasen, Geröll und Erde bildet einen Kontrast zur Perfektion der verdunkelten Spiegel in der Nachbarschaft, die Tom Burr aufstellen ließ. Weinbergers Weg ist Einschnitt und verletzliche Kerbe, zugleich Invasionsstraße für einwandernde Pflanzen. In seinem Werk, das durch eine Pflanzung am Kasseler Bahnhof während der documenta X bekannt wurde, beschäftigt sich Weinberger mit sogenannten Ruderalgewächsen. Diese meist als Unkraut bezeichneten Pflanzen siedeln sich in Brachen an, in Asphaltritzen, auf Geröllhalden oder an unbebauten Peripherien. In „gepflegten“ Gärten werden sie normalerweise getilgt. Weinberger nimmt jedoch eine Hierarchieverschiebung vor. Er verfolgt eine politische Absicht, denn in den Ruderalgewächsen sieht er Migranten, die mit minderen Lebensbedingungen auskommen müssen. Sie erdulden das gleiche Schicksal wie heimatlos gewordene Menschen.

Lois Weinberger

Spur, 2015

Erde, Pflanzen

Courtesy of Lois Weinberger

© Stiftung Skulpturenpark Köln, 2015, Foto: Tom May, Köln