Station: [105] Martinskapelle

  • Museum Bürgstadt

Die Martinskapelle, in ihrem Kern um 950 entstanden, gehört zu den ältesten erhaltenen Kirchenbauten im fränkischen Raum. Da Bürgstadt Mutterpfarrei für den Mainzer Missionsvorstoß mainaufwärts war, ist davon auszugehen, dass es einen hölzernen oder steinernen Vorgängerbau an gleicher oder anderer Stelle gegeben hat.

Während ihrer wechselvollen Geschichte erfuhr die Kapelle zahlreiche bauliche Veränderungen. So erhielten Langhaus und Chor um 1200 ihre heutige Höhe, während um 1490 an der westlichen Giebelseite das aufwändige gotische Hauptportal eingebaut wurde. Das reich mit Kehlen und Stäben profilierte Portal zeigt im Tympanon den Hl. Martin, der mit dem Schwert seinen Mantel teilt, um die eine Hälfte dem Bettler zu geben. Über der Spitze des Giebelfeldes ist Christus mit einem Mantelzipfel in der linken Hand dargestellt, was auf das Bibelwort Bezug nimmt: „Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan, habt ihr mir getan!“ Der Kragsturz wird getragen von Konsolen in der Form von zwei musizierenden Engeln, deren Flügel sich im eleganten Schwung über die Wülste und Kehlen des Portalgewändes legen.

In den Jahren von 1589 bis 1593 kam es zu einer bis heute sichtbaren Um- und Ausgestaltung der Martinskapelle. Damals erhöhte man die Giebel der Kirche, schlug ein neues, steileres Dach auf und setzte dem Kirchendach den kleinen Dachreiter über dem Westgiebel auf. Im Innern wurden sowohl die steinerne Kanzel als auch die Empore eingebaut und die Ausmalung von Chorraum und Langhaus geschaffen, die von herausragender Bedeutung ist. In einer sogenannten Bilderbibel werden in 40 Medaillons Begebenheiten aus dem Alten und Neuen Testament dargestellt und in Merkversen kommentiert. Diese Ausmalung des Langhauses schuf im Jahr 1593 ein Maler, von dem wir nur sein Wappen und seine Initialen I.B.M. kennen. Der Nürnberger Maler Andreas Herneisen schuf die Wandmalereien im Chorraum. Die vollständige Erhaltung der Ausmalung der Martinskapelle ist von überregionaler kunsthistorischer Bedeutung. Nutzen Sie bei Interesse die Möglichkeit einer in der Kapelle angebotenen Audioführung.