Station: [119] Heinrich Püts: Herz-Jesu-Statue in Pastors Garten


„Ihr werdet in Frieden Wasser schöpfen aus den Quellen des Heiles“.

So steht es auf dem umlaufenden Band zu Füßen der Jesusfigur. Der Spruch ist in leichter Abwandlung den Verheißungen des Buches Jesaja entnommen. Doch das Wasser, das in diesem Monument ganz wörtlich gemeint war, fehlt heute: Die Säule aus Muschelkalk bildete ursprünglich das Oberteil eines Brunnens und stand auf dem Kirchplatz vor der Sankt-Aegidius-Kirche.

Sie stammt aus dem Atelier des Bildhauers Heinrich Püts, der den Hochaltar im Innern der Kirche gestaltet hatte. Püts hatte an mehreren Kunstakademien und Kunstgewerbeschulen in Deutschland und den Niederlanden studiert. 1903 trat er in die Werkstatt von Anton Mormann ein. Ein knappes Jahrzehnt später machte er sich selbständig und übernahm darüber hinaus auch den Unterricht an der neugegründeten Wiedenbrücker Modellier- und Zeichenschule.

In den Sockel der einstigen Brunnenfigur hat Püts vier Männerfiguren gesetzt, die Allegorien auf bestimmte Berufsstände darstellen. Es sind: ein Bauer, ein Kaufmann, ein Zimmermann und ein Schmied oder Metallbauer.

Erkennen Sie, wer wer ist? Hinter den Figuren erkennen Sie bestimmte Symbole. Können Sie die Attribute der Männer den Berufen zuordnen? Schauen Sie genau hin und überlegen Sie, welchem Handwerker welches Symbol zugeordnet wurde.

Hier kommt die Auflösung: Der Bauer – ganz einfach – ist durch eine Ähre dargestellt. Zum Kaufmann gehört das Segelschiff, denn seine Zunft ist auf den Straßen und Gewässern dieser Erde unterwegs. Den Schmied erkennt man an dem großen Zahnrad in seinem Rücken. Und der Zimmermann hat gerade schon ein Fachwerk errichtet.

Die Schmucksäule und der Brunnen standen bis 1963 auf dem Kirchplatz. Dann wurden sie abgebaut, das Brunnenbecken zerschlagen, die Statue an Ort und Stelle vergraben. 18 Jahre lang lag sie in der Erde, bis sie 1981 geborgen und restauriert wurde. Seitdem schmückt sie Pastors Garten neben dem Aegidiushaus.

Alle Abbildungen : Torsten Nienaber, © Wiedenbrücker Schule Museum