Station: [10] Beizjagd und die fürstliche Tafel

  • Oldenburger Wallmuseum

Die Jagd in Starigard lieferte viele Rohstoffe: Zum einen stellte das Fleisch, das eine willkommene Abwechslung auf dem Speiseplan dar. Es wurde aber auch Jagd auf Pelz- und Felltiere, wie Rotfuchs, Eichhörnchen, Biber oder Wildkatze gemacht. Selbstverständlich wurden auch die Knochen und Geweihstangen der Tiere verwertet. Und: In diesen Zeiten gab es in Starigard noch gefährliche Raubtiere wie Braunbär und Wolf, die Mensch und Tier bedrohten. Auch sie wurden bejagt. Jagen durfte jeder freie Bürger, die Beizjagd dagegen war nur dem Adel vorbehalten. Nach westlichem Vorbild diente diese Form der Jagd mit abgerichteten Vögeln dazu, die prunkvolle Hofhaltung des Fürsten zu repräsentieren. Mit den kräftigen Habichtweibchen jagten die slawischen Fürsten die Feldhasen. Die schlankeren Sperberweibchen dagegen wurden zur Jagd auf Rebhühner, Schnepfen und Ringeltauben genutzt. Das Schaubild hinter Ihnen zeigt den Speisezettel des Burgadels. Nur in der Halle des Fürsten war es möglich, ein großes mit Steinen umgebenes Feuer zu entfachen. Nur hier konnten in schweren eisernen Kesseln, die an Ketten von der Decke hingen, große Mengen Fleisch zubereitet werden. In Starigard gab es im 10. Jahrhundert eine gut funktionierende Tierzucht. Das Schwein hatte das Rind als wichtigsten Fleischlieferanten abgelöst. Auch Hausgeflügel stand nun häufiger auf der Speisekarte, außerdem Schaf, Ziege und Wildbret. Wie schon mit seinen Bauten und seinem hochwertigen Inventar an Schmuck und Tafelgeschirr, zeigte der Oldenburger Fürst mit der Verfeinerung der Esskultur seinen Führungsanspruch. So wurden in Oldenburg zwei verschiedene Pflaumensorten und die Sauerkirsche als neuartige Delikatesse eingeführt. Hochwertige Getreidearten wie Saatweizen, Roggen und Dinkel dienten als Brotgetreide. Auch Gemüse wie beispielsweise der Sellerie und die gelbe Möhren wurden hier kultiviert. Sammelfrüchte wie Brombeere, Heidelbeere, Erdbeere oder Hagebutte und zahlreiche Wildkräuter wie Kümmel oder Dill rundeten die fürstlichen Speisen ab.