Station: [11] Slawisches Heidentum

  • Oldenburger Wallmuseum

Ursprünglich war die Glaubensvorstellung der Slawen eine reine Naturreligion, in der heilige Quellen und andere beseelte Objekte in der Natur angebetet wurden. Die heidnischen Vorstellungen vom Aufbau der Welt sehen Sie in der rechten Vitrine. Das Reich der Götter herrscht über das Reich der Lebenden und der Toten. Heilige Pferde vermitteln zwischen den Welten der Menschen und der Götter. Das Schicksal hängt in der Glaubensvorstellung der Slawen von der Gunst der Götter ab. Die Nordwestlichen Ostseeslawen widerstanden lange Zeit der Christianisierung. Trotz des Einflusses des sie umgebenden Christentums entwickelte sich ihre Religion weiter. Auf Stammesebene zelebrierte eine Priesterkaste die öffentlichen Glaubensriten in heiligen Hainen, Tempeln oder Kultstätten. In der Karte auf Tafel Nr. 27 sind die gefundenen heidnischen Tempel und Kultzentren aufgeführt. Zu den Glaubensriten der Priester gehörten neben Orakeln auch die Darbringung von Ernte- und Tieropfern. In Starigard fand man rituell deponierte Pferdeknochen. Götterbilder gab es sowohl als Großplastiken als auch als Taschenidole für den persönlichen Gebrauch. Bei den slawischen Wagriern ist die Anbetung des gestaltlosen Gottes Prove auf dem Wienberg belegt. Bitte wenden Sie sich nun dem großen Kultpfahl links von Ihnen zu. Dies ist die Rekonstruktion des heidnischen Altars, den die Slawen nach dem großen Aufstand gegen die christliche Deutsche Oberherrschaft im Jahre 983 an genau der Stelle in der Burg errichteten, an der vorher der Altar der ersten christlichen Kirche gestanden hatte. Er ist nicht nur das Symbol des in der einfachen Bevölkerung noch tief verwurzelten heidnischen Glaubens, sondern auch Zeichen des Triumphes der Slawen über die Herrschaftsansprüche der deutschen Fürsten.