Station: [18] Knochen- und Geweihverarbeitung

  • Oldenburger Wallmuseum

Geweih, Horn und Knochen sind leicht zu bearbeitende Rohstoffe. Vor allem Gegenstände des täglichen Bedarfs wie Messergriffe, Nadeln oder Ahlen konnten daraus hergestellt werden. Auch die Vorgänger unserer heutigen Schlittschuhe, die sogenannten Schlittknochen, die unter Lasten oder Schuhen befestigt werden konnten, fertigte der Handwerker aus Mittelfußknochen oder Speichen von Rind oder Pferd, manchmal auch aus Wadenbeinen vom Schwein. Typisch für eine frühstädtische Siedlung war die Ansiedelung eines Kammmachers. Er war der auf Geweih- und Knochenverarbeitung spezialisierte Handwerker und stellte zusätzlich aufwendige Spielsteine und verzierte Kämme her. Oben in der Vitrine sehen Sie den sogenannten Dreilagenkamm. Die Platte, in die der Kammmacher die Zinken sägt, wird zwischen 2 Deckleisten gelegt. Anschließend werden alle 3 Lagen miteinander vernietet. Durch Schnitzereien veredelt der Handwerker sein Produkt. Der in der Mitte der Vitrine gezeigte Brettspielstein ist ein weiteres Beispiel für die Arbeit des Kammmachers am fürstlichen Hof. Dieser besonders reich und detailliert verzierte Spielstein ist einer der wenigen Funde dieser Art. Inzwischen weiß man, dass zu einem vollständigen Satz 15 gefärbte und 15 naturbelassene Spielsteine gehören. Das dazugehörige Spiel ist schon aus der Römerzeit als „12-Felder-Spiel“ bekannt. Seit dem Mittelalter wird es als Tric-Trac und heute als Backgammon bezeichnet.