Station: [21b] Handwerkergasse - Der Fernhändler

  • Oldenburger Wallmuseum

Im ersten Haus auf der rechten Seite der Straße, gegenüber vom Schuster wohnt der Fernhandelskaufmann. Er handelt mit wertvollen Pelzen aus dem fernen Russland. Dadurch kommt ihm eine hohe gesellschaftliche Stellung zu. Oftmals beteiligten sich auch die Adelsfamilien an solchen Geschäften. Seinem Stand entsprechend ist sein Haus besser ausgestattet als das seiner Nachbarn. Es verfügt über drei Räume: Kontor, Lager und dem hinten liegenden Wohnraum. Der Fußboden ist mit Dielen ausgelegt. Einzige Wärmequelle ist der etwas seitlich im Raum stehende Kuppelofen aus Lehm. Er dient nicht nur zum Heizen, sondern auch zum Backen von Fladenbrot und zum Garen der Breigerichte. Diese bestehen vor allem aus Hirse und Gerste. Die Konstruktion des Ofens ist gut durchdacht. In seinem oberen Teil befindet sich ein nicht zentriertes Rauchabzugsloch. Dadurch kreist die Wärme im Inneren des Ofens wie bei unseren heutigen Umluftöfen und Funkenflug wird vermieden. Bereits eine Hand breit über dem Abzugsloch ist keine stärkere Hitze mehr zu spüren und alle Speisen erhalten von allen Seiten eine gleichmäßige Hitze. Es fällt auf, dass der Ofen ohne Schornstein frei im Raum steht. Der Rauch entweicht durch zwei Rauchabzugslöcher in den Giebeln des Hauses. Solch ein Kuppelofen aus Lehm ist ganz typisch für Siedlungen des frühen Mittelalters. Er nutzt den Rohstoff Holz zur Wärmeerzeugung optimal aus, garantiert gutes Garen der Speisen in der Restwärme und trägt durch geringen Funkenflug zur Verminderung der Feuergefahr bei. Zu dem Inventar des Kontors gehört eine verschließbare Holztruhe, die der Aufbewahrung der wertvollsten Waren dient. Der Kaufmann sitzt an einer Tafel, hält eine Klappwaage in der Hand und wiegt den ausgehandelten Preis in Silber aus, der damaligen Währung. Vor ihm auf dem Tisch liegt Hacksilber.