Station: [22] Die Hafensiedlung

  • Oldenburger Wallmuseum

Wir befinden uns jetzt 1000 Jahre zurückversetzt im Mittelalter in einem kleinen Dorf. Die Holzhäuser, in denen die Menschen damals lebten, wurden von Archäologen anhand der Bodenfunde rekonstruiert. Sie finden hier in unserem Dorf die verschiedenen Häusertypen - wie sie gewesen sein könnten. Ihr Weg durchs Dorf führt Sie an unseren Gärten vorbei, die in dieser Form früher nicht üblich waren. Kräuterweiblein und Heilkundige suchten sich ihre Blätter, Zweige und Kräuter in der weiteren Umgebung, hielten aber den Standort geheim. Erst mit der Entstehung der Klöster wurden Heil - und Giftpflanzen, die Arzneipflanzen, in Klostergärten angepflanzt und kultiviert. Das Dorf besteht aus 6 Hütten und einem Bootsschuppen, dem Naust, der als Winterlager für unsere Schiffe dient. Das Holz für den Hausbau wurde von Herbst bis Winteranfang geschlagen, da es dann wegen der Saftruhe im Holz einen besseren Schutz gegen Pilzbefall und so eine bessere Qualität hatte. Die Baumstämme wurden sofort bearbeitet, weil sie sich in frischem Zustand besser mit dem Beil in Bretter spalten ließen als abgelagertes Holz. Risse bei der Trocknung des Holzes waren beim Hausbau unerheblich. In damaliger Zeit bevorzugte man zum Hausbau Eichen, weil dieses Holz hart aber trotzdem elastisch ist. Eichenholz ist sehr witterungsbeständig, aber sogar Eichenpfähle können in Bodennähe nach 20 - 30 Jahren verrotten, weil der Wechsel von Sommer und Winter ihnen zusetzt. Fünf der Häuser sind in der Ständerbauweise gebaut, wie das Haus links vor Ihnen. Die Festigkeit dieser Konstruktion wird unten durch die umlaufenden Schwellenbohlen und oben durch umlaufende Ankerbalken gegeben, die das Gewicht des Daches tragen, ein sogenanntes Sparrendach, sodass man keine Stützen mehr im Inneren der Häuser brauchte. Zudem konnte man Bretter über die umlaufenden Ankerbalken legen und man erhielt einen zusätzlichen Raum für Vorräte, die trocken gelagert werden mussten. Die Einrichtung der Häuser sind einfache Tische, Bänke und Stühle, deren Platten gehobelte Bretter und deren Beine dicke Äste sind. Die Wände des benachbarten weißen Hauses bestehen im Gegensatz zu allen anderen aus geflochtenen Weidenruten wie unsere Gartenzäune. Danach wurde Lehm mit Pferdemist und Stroh vermischt und an der Wand verstrichen. Als Schutz vor Regen erhielten die Hauswände einen Kalkanstrich. Im Hausinneren sehen Sie die Angelruten, wie sie vor 1000 Jahren im Gebrauch waren. Am Dorfplatz sehen Sie zwei weitere Häuser. Das rechte Haus ist das Weberhaus. Dort steht ein Webstuhl, wie ihn die Slawen benutzt haben. Die Spannung der Kettfäden wird durch kleine Sandsäcke erreicht, die unten bündelweise angehängt werden. Der fertig gewebte Stoff wird nach oben aufgerollt. Die aus Schafwolle gesponnenen Fäden färbte man mit Pflanzen. Im nächsten Haus ist ein Tischler eingezogen. Zu den wichtigsten Gerätschaften des Tischlers gehörten die Drechselbank und eine Zugbank. In dieser können Holzstücke festgeklemmt werden, damit man mit beiden Händen frei arbeiten kann, um Löffel und andere Gerätschaften herzustellen. Die beiden Häuser vorne am Hafensteg bestehen aus Eichenholz. In ihnen wohnen ein Kaufmann und ein Seiler. Die Dächer sind mit Reet gedeckt, ein Baustoff, der aufgrund seiner wärmeisolierenden Eigenschaft noch heute in unserer Region verwendet wird. Die Holzschindeln auf den anderen Dächern sind aus Lärchenholz gefertigt.