Station: [23] Die heilige Insel

  • Oldenburger Wallmuseum

Vom Dorfplatz aus haben sie einen guten Blick zu unserer „Heiligen Insel“. Sie zeigt die Rekonstruktion einer slawischen Kultstätte aus dem 10. Jahrhundert. Der Altar ist eine Nachbildung des auf dem Oldenburger Wall gefundenen Stückes. Auffällig ist seine Umzäunung mit hölzernen Kopfbohlen, also Brettern, die an ihrem oberen Ende mit stilisierten Köpfen versehen sind. Als Vorbild dient der aus dem 9. bis 10. Jahrhundert stammende Tempel in der Slawensiedlung Groß Raden in Mecklenburg-Vorpommern. Solche stilisierten menschlichen Figuren wurden in klein auch als sogenannte Taschengötter zum persönlichen Gebrauch mitgeführt. Die Priester waren die Mittler zwischen den Menschen und den überirdischen Mächten. In Tempeln und Kultstätten wie diesem vollzogen sie die öffentlichen Opferriten. Als Gegenleistung für die Opfergaben hoffte das Volk auf das segensreiche Wirken der Götter für das Wohlergehen der Gemeinschaft. Den Göttern wurden Pferde geopfert. Die Priester übergaben den Göttern die Köpfe und Beine der Tiere. Der Rest wurde von der Gemeinde in Kommunion mit den Göttern bei einem rituellen Festmahl verspeist. Auch Wein diente als Opfergabe an die Götter. Der Priester hängte dem Götzenbild ein großes mit Wein gefülltes Trinkhorn um und deutete Monate später aus dem Zustand der Flüssigkeit das Gelingen der Ernte. Den Slawen waren die Kultstätten heilig. Außer von den Priestern durften sie von niemandem betreten werden. Sollte es einem Feind gelingen, sich in das Heiligtum zu flüchten, so durfte er dort nicht verfolgt werden. Um den heiligen Bezirk nicht durch den menschlichen Atem zu verunreinigen, war es den Priestern nicht erlaubt, innerhalb der Umzäunung zu atmen. Bitte wenden Sie sich nun unserer Hafenanlage mit den beiden Schiffen zu.