Station: [20] Jan Toorop: "Deichweg bei Westkapelle", 1910

  • Museum Kunst der Westküste

Jan Toorop, der unter anderem in Den Haag, Amsterdam und Paris studierte, zählte um 1900 zu den Erneuerern der niederländischen Malerei. Er bewegte sich in fortschrittlichen Künstlerkreisen, die dem Jugendstil, dem Symbolismus und einer Spielart des Impressionismus, dem Pointillismus, nahestanden. Zusammen mit Piet Mondrian gehört er zu den wichtigsten Vertretern dieser in Holland als Luminismus bezeichneten Strömung. Den Luminismus kennzeichnet eine Zerlegung der Farbwerte in einzelne Farbstriche sowie einen gesteigerten Eindruck von flimmerndem Licht. Von 1903 bis 1922 reiste Toorop regelmäßig in den Badeort Domburg und die Umgebung auf der seeländischen Insel Walcheren. Er begründete dort die Künstlerkolonie Domburg. Im nur wenig entfernt liegenden Westkapelle entstand 1910 dieses Bild eines beladenen Wandersmannes, der im kontrastreich abgestuften Licht den Deich am Meer abschreitet und dabei einen markanten Schatten wirft. Schemenhaft sind in der Ferne ein Dampfer, ein Kirchturm sowie ein Paar auszumachen, das mit der Feldarbeit beschäftigt scheint. Äquivalent zu der klaren tektonischen Gliederung der Landschaft, die sich ausgehend von den Konturen des Weges entwickelt, trägt Toorop auch die Farben in separaten, über- und nebeneinander gesetzten Pinselstrichen auf. Diese korrespondieren mit den einzelnen Seheindrücken und verleihen den unterschiedlichen Oberflächen der Elemente eine geradezu ornamentale Textur.