Station: [22] Anna Ancher: "Kleine Mädchen mit einem Dorsch", undatiert

  • Museum Kunst der Westküste

Erwartungsvoll stehen die vier Kinder auf der Türschwelle. Die beiden Größten, zwei Mädchen mit Kopftüchern, halten das klaffende Maul eines großen Dorsches in den Händen. Mit dieser unbefangen anmutenden Alltagsszene stellt Anna Ancher ihre sichere Beobachtungsgabe unter Beweis. Stimmungsvoll wird das helle, auf der Türschwelle wechselhaft gebrochene Tageslicht des Innenraums wiedergegeben, das die Gruppe der Kinder umgibt. Anna Ancher, die zur Künstlerkolonie Skagen gehörte, war eine wichtige Wegbereiterin der Moderne in der dänischen Malerei. Durch das künstlerische Umfeld in Skagen angeregt, besuchte sie eine private Zeichenschule für Frauen in Kopenhagen. Ein Studium an der Kunstakademie wurde Frauen zu dieser Zeit noch verwehrt. Ihr künstlerisches Interesse galt zunächst der der niederländischen Interieurmalerei des 17. Jahrhunderts sowie der dänischen Kunst des Goldenen Zeitalters. 1885 unternahm sie mit ihrem Mann, dem Maler Michael Ancher, und den befreundeten Künstlern Peder Severin Krøyer sowie Viggo Johansen eine Reise über Holland nach Paris. Die Einflüsse der modernen französischen Malerei zeigen sich in ihren Werken in der Schilderung von lebendigen Lichtreflexen und einer lockeren Pinselführung. Unter den Skagenmalern ragen Anna Anchers Gemälde von Personen in Innenräumen besonders durch die kontrastreiche und intensive Farbgebung hervor.