Station: [30] Max Beckmann: "Strandlandschaft bei beginnender Flut", 1904

  • Museum Kunst der Westküste

Max Beckmann zählt zu den bedeutendsten deutschen Künstlern der Klassischen Moderne. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts malte er eine Reihe von Meereslandschaften an den Stränden der Nord- und Ostsee, den Küsten Dänemarks, Hollands und Frankreichs. Mit den Bildern, die auf vielen Reisen in die Niederlande entstanden, suchte er sich dasselbe Studienziel wie vor ihm bereits der bekannte deutsche Maler Max Liebermann. In Tagebüchern und Briefen beschrieb Beckmann die See als Metapher für sein Leben und seine Kunst bezeichnete sie als „meine alte Freundin“. Das Bild Strandlandschaft bei beginnender Flut entstand 1904 nach einem winterlichen Aufenthalt am Strand von Scheveningen. Von einer hohen Düne fällt der Blick auf eine breite Strandpartie und das Meer. Der Sand wird von geschwungenen Linien durchzogen, die dem Werk einen grafischen Charakter verleihen. Durch weiße, schmale Pinselstriche in der ruhig anmutenden Wasseroberfläche zeigt sich die herannahende Flut, ihr langsames Vorrücken. Weiß sind auch einzelne Schneepartien am Strand. Helle Braun- und Ockertöne tauchen das wie eine Naturstudie angelegte Bild in eine gedämpfte Stimmung. Das unten links dargestellte Holzgerüst verweist auf die zu der kalten Jahreszeit menschenverlassene Natur. In dieser frühen Arbeit Beckmanns zeigen sich deutliche Einflüsse des Jugendstils und von Edvard Munch.