Station: [7] Andreas Achenbach: "Scheveningen", 1869

  • Museum Kunst der Westküste

Andreas Achenbach gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Düsseldorfer Malerschule, die im 19. Jahrhundert von großer Bedeutung für die Entwicklung der Landschafts- und Genremalerei war. Auch gehört er zu den Künstlern, die Scheveningen aufsuchten, noch bevor sich das holländische Fischerdorf gegen Ende des 19. Jahrhunderts zum größten Seebad der Niederlande und mondänen Ausflugsziel der Haager Gesellschaft entwickelt hatte. Während nachfolgende Künstler, etwa Max Liebermann, Isaac Israëls oder Floris Arntzenius, Momente des Spielens, Flanierens oder Badens in den Vordergrund rücken, präsentiert Achenbach ein szenographisch dichtes, geradezu geheimnisvoll anmutendes Bild der holländischen Küste. Sein 1869 entstandenes Gemälde Scheveningen zeigt das nächtliche, unmittelbar an eine hohe Düne gebaute Fischerdorf mit der markanten, spätgotischen Kirche, der Oude Kerk. Der Vollmond und die Schleierbewölkung verleihen der Szene eine eigentümliche, fast gespenstische Stimmung. Vor den Häusern des Dorfes sitzt eine Gruppe dunkel gekleideter Menschen. Der Grund ihrer Zusammenkunft bleibt unklar. Ihnen nähert sich von rechts in lebhaft flatternder Kleidung eine Frau, die in geduckter Haltung dem Wind zu trotzen versucht. Resolut führt sie ein kleines Kind an der Hand hinter sich her und balanciert einen großen Korb auf dem Kopf – befindet sich darin wohl der Fischfang des Tages? Auch dieser Zusammenhang bleibt verborgen in der Nacht von Scheveningen.