Station: [14] Jüdischer Glaube im Alltag


Ein Wohnhaus aus dem Palästina zur Zeit Jesu ist vor allen Dingen eins: das Haus einer jüdischen Familie.

Haben Sie die schräg hängende Kapsel, die Mesusa, am Türrahmen bemerkt? Sie enthält auf Pergament geschrieben das Glaubensbekenntnis des Judentums, das Sch‘ma Israel. Und sie zeigt an, dass Gott über die Menschen in diesem Haus wacht und sie beschützt.

Wie bei jeder Religion sind auch im Judentum die Rituale und Bräuche tief im Alltag verwurzelt. Sie strukturieren den Tagesablauf, den Wochenrhythmus und das Jahr.

Hinter den Wandklappen in der linken Ecke des Hauses finden Sie einige zentrale Objekte der jüdischen Rituale: Gebetsschal, Gebetsriemen und Kippa dürfte auch Jesus getragen haben. Denn er entwickelte seine Lehren auf der Grundlage seines jüdischen Glaubens.

Bis heute ist der Schabbat der wichtigste Feiertag des Judentums – ein Feiertag, der sich wöchentlich wiederholt! … und an dem jede Form von Arbeit streng verboten ist. Der Schabbat ist der Tag der Besinnung, an dem die Familie ohne Hast und Eile zusammenkommt und sich auf die wesentlichen Dinge im Leben konzentrieren kann.

Und es ist eine Zeit der Fülle, wo an nichts gespart werden soll. Der Schabbat beginnt mit einem gemeinsamen Abendessen, bei dem der Segen gesprochen wird. Der Kidduschbecher wird großzügig bis zum Rand gefüllt und der Wein wird zusammen genossen. Es folgt ein Tag mit gemeinsamen Gottesdiensten, Gebeten und Mahlzeiten – eine markante Auszeit im ewigen Fluss des Alltags.

Wenn sich der Schabbat am folgenden Abend dem Ende entgegenneigt, kommt der Besamim-Becher zum Einsatz: Er ist mit wohlriechenden Kräutern, Blüten und Gewürzen gefüllt und sein Korpus ist durchbrochen. Zum Abschied vom Schabbat nimmt man noch einmal einen kräftigen Atemzug von den Düften und versucht so, ein wenig von der wohltuenden Feierlichkeit des Feiertags in den nun wieder anbrechenden Alltag hinüberzuretten.

Wenn auch Sie jetzt das jüdische Haus verlassen, werfen Sie einen Blick in den gegenüberliegenden grün leuchtenden Raum. Hier treffen Sie an den Hörstationen auf Menschen, die von ihren Begegnungen mit Jesus berichten. Rut, Sarah, Rebekka und Zachäus, die wir aus biblischen Geschichten kennen, erzählen, was Jesus ihnen bedeutet.

Alle Abbildungen: © Bibelgalerie Meersburg