Station: [119] Melchisedek
Unser Wort „Brot“ leitet sich vom althochdeutschen „prot“ ab, was „vergoren“ bedeutet, d. h. das, was entsteht, wenn Mikroorganismen etwas ohne Sauerstoff „verdauen und versetzen“. Dabei entstehen auch verfaulte Stoffe. Der „älteste Text“ der Bibel, den wir besitzen, erzählt von einem Fremden, König Melchisedek, der Abram entgegengeht, ihm Brot und Wein bringt und ihn segnet. Brot steht hier für Nahrung. Melchisedek wird als „Priester des höchsten Gottes“ bezeichnet. Das ist seltsam, da Abram uns bereits im ersten Buch der Bibel als derjenige vorgestellt wird, den Gott anspricht und auswählt. Abram steht im Mittelpunkt der großen Geschichte der ersten Eltern.Mit „Melchisedek“ verschiebt sich dies: Er, ein Fremder, rückt in den Mittelpunkt. Er segnet Abram. Nicht Abram, den Fremden. Spannenderweise segnet der Fremde den Auserwählten.

