Station: [100] Himmelsscheibe von Nebra


Die Himmelsscheibe von Nebra. Sie sehen eine annähernd kreisrunde Bronzeplatte von etwa 32 Zentimetern Durchmesser. Goldene Applikationen sind in sie eingearbeitet. Mit einem Alter von etwa 3700 bis 4100 Jahren gilt sie als die älteste bisher bekannte konkrete Himmelsdarstellung.

Besucherin: Ich stehe also vor einem Objekt aus der frühen Bronzezeit. Und ich bin im Jahr 2026 hier im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle.

Wissenschaftler: Dann blickst du auf etwas, das aus der Aunjetitzer Kultur Mitteleuropas stammt. Die Scheibe zeigt astronomische Phänomene und religiöse Symbole. Sie wurde nicht in nur einem Schritt gestaltet. Untersuchungen sprechen dafür, dass sie in mehreren zeitlich getrennten Phasen verändert wurde.

Besucherin: Was ist über ihr Aussehen bekannt?

Wissenschaftler: Die Platte wiegt etwa 2050 Gramm. Ihre Dicke nimmt von der Mitte zum Rand ab. Ursprünglich war sie wohl nicht grün. Die heutige grüne Farbe entstand erst durch die lange Lagerung in der Erde. Die Goldbleche wurden durch Tauschierung eingearbeitet. Metallografische Untersuchungen zeigen zudem einen aufwendigen Warmschmiedeprozess. Bis zur endgültigen Form wurde die Scheibe ungefähr zehn Mal auf rund 700 Grad Celsius erhitzt und ausgeschmiedet.

Besucherin: Und woher kamen die Metalle?

Wissenschaftler: Für das Kupfer ergaben Untersuchungen eine Herkunft aus einer frühbronzezeitlichen Erzlagerstätte am Mitterberg in Österreich. Das Zinn stimmt mit Zinnminen aus Cornwall überein. Auch die chemische Zusammensetzung der Goldauflagen wurde untersucht. Sie ist identisch mit Gold aus dem Fluss Carnon in Cornwall.

Besucherin: Wie war die Scheibe zuerst gestaltet?

Wissenschaftler: Am Anfang trug sie 32 runde Goldplättchen, dazu eine größere runde Platte und eine sichelförmige Platte. Sieben kleine Plättchen stehen eng beieinander. Später kamen an den Rändern die Horizontbögen hinzu. Danach wurde am unteren Rand ein weiterer Bogen ergänzt, die sogenannte Sonnenbarke. Vor der Vergrabung fehlte der linke Horizontbogen bereits wieder. Außerdem erhielt der Rand 39 sehr regelmäßig ausgestanzte Löcher. Die Rückseite blieb ohne Applikationen.

Besucherin: Wofür steht das alles?

Wissenschaftler: Dazu gibt es verschiedene Deutungen. Nach einer bekannten Interpretation stehen die Goldplättchen für Sterne. Die Gruppe von sieben wurde mit den Plejaden in Verbindung gebracht, auch wenn das angezweifelt wurde. Die große Scheibe wurde zunächst als Sonne, später auch als Vollmond gedeutet. Die Sichel gilt als zunehmender Mond. Die Sonnenbarke wird als spätere Ergänzung verstanden. Ihr wird eher keine kalendarische Funktion zugeschrieben. Sie könnte die nächtliche Überfahrt der Sonne darstellen. Auch eine kultische Nutzung wird in Betracht gezogen.

Besucherin: Wie fand man die Scheibe?

Wissenschaftler: Am 4. Juli 1999 entdeckten sie Raubgräber auf dem Mittelberg bei Nebra mit einem Metalldetektor. Zum Fund gehörten auch zwei Bronzeschwerter, zwei Beile, ein Meißel und Bruchstücke spiralförmiger Armreife. 2002 wurde die Himmelsscheibe in Basel von der Schweizer Polizei sichergestellt. Die Angaben der Raubgräber zum Fundort wurden später durch kriminaltechnische Untersuchungen gestützt.

Besucherin: Und ihr Alter?

Wissenschaftler: Die Beifunde datieren auf etwa 1600 vor Christus. Ein an einem Schwert gefundenes Stück Birkenrinde wurde radiokarbon-datiert und ergab eine Zeit um 1600 bis 1560 vor Christus. 2020 wurde die Datierung in die frühe Bronzezeit öffentlich angezweifelt. Noch im selben Jahr wies eine Forschergruppe diese Zweifel deutlich zurück.

Besucherin: Heute gehört die Scheibe also hierher.

Wissenschaftler: Ja. Seit 2002 gehört sie zum Bestand des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle. Seit 2013 ist sie Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes. Und der Ort, an dem sie etwa 3600 Jahre im Boden lag, bleibt mit ihr verbunden.

Besucherin: Je länger ich sie ansehe, desto mehr wirkt sie wie ein Bild aus Wissen, Symbolen und langer Geschichte.

Wissenschaftler: Genau darin liegt ihre besondere Kraft.