Station: [5] Gastwirtschaften

  • Wandinszenierung „Gastwirtschaften“

M: Wer früher nach Feierabend noch ein Bier trinken, einen Handkäs oder einen deftigen Eintopf genießen wollte, hatte die Qual der Wahl. Denn Dotzheim zählte im Jahr 1910 mehr als 25 Gaststätten!

In Zeiten ohne Radio, Fernsehen oder Internet ging man vor die Tür, um sich zu amüsieren. Doch ohne Auto oder öffentliche Verkehrsmittel kam man nicht weit. Also blieb man im Ort, traf sich mit Kollegen, Freunden oder der Familie.

Drei historische Gaststätten existieren noch heute – allerdings stark verändert. Und das wahrscheinlich älteste Dotzheimer Gasthaus lag gleich gegenüber: Der Gasthof „Zum Engel“ in der Römergasse 16.

F: Im Erdgeschoss befand sich die Schank- und Wirtsstube, doch im ersten Stock wurde es ernst: Hier, in der Ratsstube, tagten die Gemeindevorsteher, die Bürgermeister, und der Schultheiß, hier bewahrte man auch die Gerichtsakten, Verträge und Urkunden des Dorfes auf. Der Schultheiß – eine Art Ortsvorsteher – wurde von den nassauischen Landesfürsten eingesetzt. Dieser oberste Verwaltungsbeamte leitete die Gemeindeversammlung und saß dem Dorfgericht vor.

Als 1767 ein neuer Schultheiß ernannt werden sollte, brachte man Heinrich Anton Leichtweiß ins Gespräch, den Wirt des Gasthauses „Zum Engel“. Fürst Carl von Nassau-Usingen schien es jedoch unschicklich, dieses würdevolle Amt einem Schankwirt anzuvertrauen. Das ist schade, denn Leichtweiß hätte es zu seinen Sitzungen nicht weit gehabt: Er wohnte ja direkt im Haus. Und vielleicht wäre sein Leben dann auch in ruhigeren Bahnen verlaufen?

M: Wenn Sie sich nun umwenden, stehen Sie schon vor unserer nächsten Station, die sich mit Dotzheims Arbeiterschaft befasst.