Station: [10] Das Gesicht im Seitenschiff und das Sebastiansbild


Im hinteren Teil der Kirche lohnt sich ein Blick nach oben, ins westliche Seitenschiff. Dort, unter dem Ansatz des Gewölbes, schaut ein kleines bemaltes Köpfchen auf Sie herab. Es stammt aus der Bauzeit der Kirche. Man vermutet, dass es ein Selbstbildnis des Baumeisters ist.

Sein Name ist längst vergessen. Doch sein Gesicht blickt seit mehr als 500 Jahren auf die Menschen, die über sein Werk staunen. Eine schönere Signatur kann man sich kaum vorstellen.

Aus derselben Zeit stammt auch ein kleines Rautenwappen der Herren von Daun. Es hat sich am Ansatz einer Gewölberippe im Hauptschiff erhalten. So ist auch die Handschrift der Bauherrenfamilie bis heute in Stein präsent.

An der Südseite der Kirche hängt ein Gemälde, das für die Geschichte dieser Stadt besonders wichtig ist: das Sebastianbild. Es ist zweieinhalb Meter hoch und mit Harzölfarben auf Fichtenholz gemalt. Entstanden ist es wohl um 1570, in der Zeit der Renaissance. Das Bild setzt sich aus mehreren Tafeln zusammen.

Im oberen Teil sehen Sie die Auferstehung Christi und seine Verklärung auf dem Berg. Darunter erscheint das eigentliche Familienporträt. Links steht Graf Sebastian von Daun-Oberstein in prunkvoller Rüstung, zusammen mit seinen drei Söhnen. Rechts sehen Sie die Gräfin Elisabeth mit den beiden Töchtern. Alle haben die Hände zum Gebet gefaltet.

Achten Sie besonders auf den ältesten Sohn Philipp Franz. Sie erkennen ihn an der dreifachen goldenen Halskette. Sein Name begegnete Ihnen vielleicht schon bei den Grabplatten. Er ist vor dem Altar dieser Kirche begraben.

Zu Lebzeiten tat Philipp Franz etwas, das die Zukunft der Stadt prägte. Im Jahr 1609 erließ er die erste Zunftordnung für die Achatschleifer. Und schon 1603 stellte er kostenlos einen Bauplatz für eine Schleifmühle bereit. Ganz uneigennützig war das wohl nicht. Aber es wirkte.

So kann man mit gutem Grund sagen: Ein Teil der späteren Weltkarriere Idar-Obersteins als Edelsteinstadt wurde von einem Mann angestoßen, dessen Familienporträt noch heute hier in der Felsenkirche hängt.