Station: [6] Steinerne Zeugen
Die Grabplatten in dieser Kirche erinnern daran, dass eine Kirche im Mittelalter nie nur ein Ort für die Lebenden war. Bis 1768 wurden besonders angesehene Tote sogar im Inneren der Kirche bestattet.
Links neben dem Aufgang zur Quelle sehen Sie die älteste und eindrucksvollste Grabplatte des Hauses. Es ist das Epitaph von Ritter Philipp dem Zweiten von Daun-Oberstein. Er starb 1432.
Das mehr als zwei Meter hohe Relief aus Sandstein zeigt ihn in Lebensgröße und in voller Montur. Zu erkennen sind ein Kettenpanzer, Arm- und Beinschienen und ein Mantel mit geschlitzten Ärmeln. In der rechten Hand hält er einen Dolch. In der linken trägt er ein Schwert. Über ihm erscheinen sein Wappen und die Helmzier. Zu seinen Füßen liegen zwei Löwen. Sie stehen für Mut und Stärke.
Ursprünglich lag diese Grabplatte draußen auf dem Friedhof im Hang vor der Kirche. Heute sehen Sie sie hier im Inneren. Besonders bemerkenswert ist, wem dieses Denkmal gewidmet ist. Ritter Philipp der Zweite war der Vater von Wirich dem Vierten, dem tatsächlichen Erbauer dieser Kirche. Der legendenumwobene Kirchenbauer setzte also seinem eigenen Vater in seiner Kirche ein Denkmal. Hier reichen sich Sage und Geschichte ganz direkt die Hand.
Gleich daneben liegt das Fragment einer kleineren und schlichteren Platte. Sie gehörte Philipps Frau, der Raugräfin Mena. Beide Steine gehören zusammen.
Zwei weitere steinerne Bewohner verdienen ebenfalls einen Blick. Der aufwendig gestaltete Grabstein weiter links erinnert an Philipp Friedrich von Daun-Oberstein. Er starb im Mai 1615. Es war ein junger Graf, der Domherr werden sollte und früh starb.
Die stark abgetretene Platte nahe dem Ausgang gehört vermutlich seiner Schwester. Sie starb im selben Jahr mit nur fünfzehn Jahren. Später diente ihre Platte lange als Bodenplatte. Deshalb ist sie heute so glatt geschliffen.
Auch ihr Vater, Graf Philipp Franz, liegt in dieser Kirche begraben, direkt vor dem Altar. Seine Grabplatte ging allerdings bei einer Renovierung verloren. Den Namen Philipp Franz können Sie sich merken. Er begegnet Ihnen oben noch einmal auf einem Gemälde.
So erzählen diese Steine nicht nur von einzelnen Menschen. Sie sprechen auch von der langen Erinnerung, die in dieser Kirche bis heute bewahrt wird.

