Station: [8] Die Apostelbilder und die Orgel
Bevor Sie zur Orgel schauen, lassen Sie den Blick noch einmal über die Brüstungen der Emporen wandern. Dort stehen die Apostelbilder. Es sind kraftvolle Figuren. Sie wirken fast bäuerlich dargestellt.
Eines dieser Bilder ist für die Ortsgeschichte besonders bemerkenswert. Hinter dem Apostel Petrus erhebt sich im Hintergrund ein steiler Fels mit einer Burg. Darunter ist deutlich eine Kirche zu erkennen, die in den Felsen gebaut ist. Es ist die Obersteiner Felsenkirche selbst, gemalt vor rund 300 Jahren.
Dieses Bild gilt möglicherweise als eine der ältesten realistischen Darstellungen dieses Ortes überhaupt. Zugleich zeigt es, dass die Bilder eigens für diese Kirche geschaffen wurden. Der Ort erscheint hier also nicht nur als Hintergrund. Er ist bewusst mitgedacht und mitgemalt.
Richten Sie nun den Blick zur Orgelempore. Das prächtige barocke Gehäuse trägt die Jahreszahl 1756. Es stammt von der berühmten Orgelbauerfamilie Stumm aus dem Hunsrück. Diese Dynastie baute über neun Generationen innerhalb von 200 Jahren mehr als 400 Orgeln.
Vom alten Instrument ist heute allerdings nur noch das Gehäuse erhalten. Denn auch der Orgel machte der Berg zu schaffen. Das Instrument von 1929 wurde durch eindringendes Wasser schwer beschädigt. Eine Nachbesserung zur 500-Jahr-Feier im Jahr 1984 hielt ebenfalls nicht lange. Schon in den neunziger Jahren war die Orgel kaum noch spielbar.
Deshalb entstand ein vollständiger Neubau. Die Orgelbauwerkstatt Rainer Müller aus dem nahen Merxheim baute das heutige Werk im Jahr 2002 ein. Es ist vollmechanisch und ganz im Geist der alten Stumm-Tradition in das historische Gehäuse eingepasst.
Doch selbst damit kehrte noch keine Ruhe ein. Am ursprünglichen Standort drang schon bald wieder Wasser ein. Es war derselbe Platz, an dem bereits die Vorgängerorgel Schaden genommen hatte. Daher zog das Instrument um. Seit 2013 steht die Orgel auf der gegenüberliegenden Empore und ist dort vor dem Tropfwasser sicher.
Diese Orgel erzählt also nicht nur von Musik, sondern auch vom ständigen Ausweichen vor dem Berg. Eine kleine Besonderheit können Sie mit bloßem Auge entdecken: den Zimbelstern. Es ist ein goldener Stern über den Pfeifen. Er dreht sich und lässt dabei ein helles Glockenspiel erklingen.
So verbindet sich hier der Blick auf die Apostelbilder mit einer Orgel, die nach vielen Schäden schließlich ihren sicheren Platz gefunden hat.

