Station: [9] Die Quelle


Hier in der Kirche hoch über der Stadt geht es um Wyrich und die Quelle.

Wyrich, erinnerst du dich an das Ende deiner Sage?

 Ja. Als ich mein Sühnewerk vollendet hatte, entsprang im Fels eine Quelle. Das Zeichen der Vergebung.

 Und genau hier ist sie. Keine Erfindung. Kein Bild. Tatsächlich tritt an dieser Stelle seit Jahrhunderten Wasser direkt aus dem Berg aus. Mitten in einer Kirche.

Mitten in der Kirche. Das klingt noch immer wie ein Wunder.

Es ist vor allem etwas sehr Besonderes. Und bis heute ist diese Quelle kein Museumsstück. Sie führt noch immer Wasser.

Also fließt sie noch immer so wie damals?

Ja. Bei der großen Renovierung von 1929 hat man sie gefasst. Seitdem kann das Wasser geordnet unter der Kirche abfließen.

Die Menschen hier müssen das Wasser gut gekannt haben.

Das haben sie. Sie wussten immer, dass Wasser durch diesen Fels wandert. Im Kirchenschiff sahen sie die feuchten Wände. Das war nichts Neues.

Und doch ist diese Stelle anders.

Genau. Das Besondere ist nicht einfach die Feuchtigkeit im Berg. Das Besondere ist, dass das Wasser hier gebündelt und klar zutage tritt. Eine echte Quelle mitten im Fels.

Dann war sie mehr als nur ein Zeichen.

Für die Bewohner der alten Höhlenburg war sie von unschätzbarem Wert. Eine eigene Wasserversorgung im Berg. Sicher vor jedem Belagerer.

Dann könnte die Quelle schon sehr früh über diesen Ort entschieden haben.

Gut möglich. Vielleicht war sie einer der Gründe, warum man genau hier gebaut hat. Zuerst die Burg. Dann die Kirche.

Das heißt, aus dem Wasser wurde Schutz. Und später wurde aus ihm auch Sinn.

Ja. Die Sage hat daraus das Schönste gemacht, was man aus einer Quelle machen kann. Sie wurde zum Zeichen der Gnade.

Dann fließt hier nicht nur Wasser aus dem Berg. Hier fließt auch die Erinnerung daran, dass Vergebung möglich ist.

Und vielleicht ist genau das das Ruhige und Große an diesem Ort. Die Quelle ist bis heute da. Still. Klar. Und sie erzählt eure Geschichte weiter.